Film- & Buchtipp: Der verlorene Soldat

Sommer 1944: der junge Jeroen wird von seinen Eltern aus Amsterdam aufs Land geschickt, weil es kriegsbedingt in der Stadt zu wenig zu essen gibt. Er wird von einer freundlichen Familie in Friesland aufgenommen und entdeckt langsam sich und die Liebe. Als die Niederlande befreit werden, freundet sich Jeroen mit Walt an, einem der Befreier, und es entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Menschen.

Soweit die Gemeinsamkeiten zwischen Rudi van Dantzigs Buchvorlage „Der verlorene Soldat“ und Roeland Kerboschs gleichnamiger Verfilmung. Darüber hinaus unterscheiden sich beide Werke, Klassiker der pädophilen Kunst, jedoch radikal: während Rudi van Dantzig in seinen autobiographischen Erinnerungen kein Blatt vor den Mund nimmt und schonungslos aus den Kinderaugen seines alter egos Jeroen erzählt, wie Walt, der amerikanische Soldat, ihn kraft seiner Männlichkeit zu sexuellen Handlungen drängt, macht Roeland Kerbosch daraus zwar ebenfalls ein sehr kindzentriertes Werk, entfernt aber sämtliche Gewalt aus der Beziehung zwischen den beiden und dichtet die Geschichte um in ein romantisches Sommermärchen. Das wird schon deutlich in der Art, wie Walt seinen kleinen Freund anredet: im Buch nennt er ihn konsequent amerikanisch „Jerome“, weil Jeroen sich gar nicht traut, dem, den er bewundert, zu widersprechen. Im Film korrigiert Jeroen den ungleich freundlicheren Walt sofort bei der ersten Begegnung, und Walt versteht das auch direkt und ruft ihn fortan bei seinem richtigen Namen. Auch der erste Kuss zwischen den beiden differiert sehr: im Buch drückt Walt Jeroen im Regen an eine Hauswand und presst seine Lippen brutal auf die des Jungen, der sich dagegen nicht wehren kann, obwohl es ihm unangenehm ist. Im Film hingegen geschieht der Kuss spielerisch, im Bett des Soldaten, während beide schokoladenverschmierte Münder haben – und dann werden sie auch noch unterbrochen von einer jungen Einwohnerin des Dorfes, die offensichtlich gerade vergewaltigt worden ist, woraufhin sie von den beiden harmonisch Liebenden getröstet wird. Während bei van Dantzig die Beziehung also gewaltsam beginnt, wird sie bei Kerbosch spielerisch-zärtlich dargestellt und sogar als positives Gegenbeispiel zu den heterosexuellen Beziehungen zwischen Soldaten und den Frauen des Dorfes hingestellt. Interessant an dem Buch ist nun vor allem, wie sich die Beziehung weiter entwickelt: trotz der Gewalt, die Jeroen angetan wird, fühlt er sich unheimlich stark zu Walt hingezogen und sucht ihn immer wieder von sich aus auf. Ja, er verliebt sich sogar in ihn, wie es einem Elfjährigen eben möglich ist, und das, obwohl er überhaupt nicht versteht, was „die einäugige Schlange“ zwischen Walts Beinen eigentlich von ihm will. Walt geht also deutlich zu weit, weil er den Willen des Kindes völlig ignoriert und immer nur „Is good, Jerome, is good“ sagt, wenn er das Gefühl hat, Jeroen fühle sich vielleicht doch gerade nicht so wohl. Und trotzdem will der Junge weiter bei ihm bleiben, und er leidet fürchterlich, als die Soldaten schließlich weiterziehen müssen – selbstverständlich ohne Verabschiedung. Ich habe noch keine befriedigende Antwort darauf gefunden, warum der Junge sich hier so sehr von seinem Liebhaber angezogen fühlt, obwohl er doch eigentlich nur missbraucht wird. Vielleicht soll das auch einfach ein Rätsel bleiben.

Wir haben es also bei van Dantzig mit dem Negativbeispiel einer pädophilen Beziehung zu tun, in der die bewundernde Zuneigung des Kindes zu dem Erwachsenen skrupellos ausgenutzt wird, um sexuelle Akte zu erzwingen. Kerboschs Verfilmung zeigt dann, wie es auch anders sein könnte: hier geht Walt auf den Jungen ein, kommuniziert mit ihm (etwa in einer wunderschönen Szene, als Jeroen beginnt, rhythmisch versetzt zu laufen, und Walt spontan dabei mitmacht) und nutzt seine physische Überlegenheit nicht aus, um den Jungen unter Druck zu setzen. Stattdessen liegt Jeroen zärtlich in seinem Arm, sie küssen sich spielerisch, und wenn Walt Jeroen liebkost, sehen wir, wie der Junge lustvoll die Zähne zusammenbeißt. Später wird er zum Schreibtisch gehen und ein Foto seines Geliebten einstecken.

Ist das nun eine unzulässige Verklärung des Gegenstands oder ein politisches Statement des Regisseurs? Ich denke, beide Sichtweise auf die pädophile Beziehung sind wichtig zu kennen, und deshalb kann ich nur jedem pädophil empfindenen Menschen empfehlen, sich diese beiden Werke zu beschaffen und darüber zu reflektieren.


4 Antworten auf “Film- & Buchtipp: Der verlorene Soldat”


  1. 1 Dieter.Gieseking-K13online 07. August 2007 um 18:09 Uhr

    Dieser Filmklassiker über eine echte Liebesbeziehung zwischen dem 12-jährigen Jungen Jeroen und einem Soldaten gehört zweifellos zu den besten Werken zum Thema homosexueller Pädophilie. Beide tanzen wahrhaftig den Tanz Ihre Zuneigung und Freundschaft. Auch die sexuelle Erfüllung des Knaben wird in einer Szene angedeutet. Voller Stolz erwacht Jeroen am nächsten Morgen in den Armen des Soldaten. Die schauspielerische Leistung ist von Beiden hervorragend und überzeugt den begeisterten Zuschauer. Bedauerlicherweise gibt es den Spielfilm noch immer nicht in deutsch-syncronisierter Fassung, sondern lediglich mit Deutschen Untertiteln.Das ist wirklich ein Versäumnis. Ein solch offen und ehrlich romatischer Film läßt sich wohl nur in den Niederlanden produzieren. Mehr solcher Filme – auch in Deutschland – würde ich mir wünschen. Der Bedarf und die Nachfrage ist mit Sicherheit weltweit vorhanden. Boylove-Storys gibts im realen Leben überall auf der Welt. Verlaufen solche Beziehungen auch bei Weitem nicht immer so harmonisch wie in diesem Spielfilm – es gibt sie – im Geheimen. Spielfilme dieser Art sind wichtig für die Öffentlichkeit, um die Falschdarstellung in der Gesellschaft zu durchbrechen. Denn Jede Liebe ist Liebe !

  2. 2 Administrator 09. August 2007 um 19:15 Uhr

    Haben Sie eigentlich auch das Buch gelesen? Mich würde dann mal eine zweite Meinung zu meinem Vergleich interessieren.

  1. 1 Pädophilie? Undenkbar! | Herbst in der Seele Pingback am 21. April 2007 um 14:16 Uhr
  2. 2 For A Lost Soldier | Herbst in der Seele Pingback am 28. September 2008 um 12:41 Uhr
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