Pedophile is the new gay

Momentan scheint es, als ob Pädophile nur noch auf partielles Mitleid seitens der Gesellschaft hoffen können, z. B. wenn sie sich freiwillig einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen und somit die Rolle des „Kranken“ akzeptieren, die in den Jahren vor 1900 den männlichen Homosexuellen zugekommen war. Sämtliche Vorurteile der damaligen Medizin werden heute gesellschaftlich akzeptiert auf Pädophile angewandt: Verführungsvorwurf, isolierter Charakter außerhalb der Gesellschaft, psychopathische Gesamtpersönlichkeit und mangelhafte Ausprägung der Geschlechtsnorm (männlich/weiblich).

(Florian Mildenberger, „Beispiel: Peter Schult. Pädophilie im öffentlichen Diskurs“, Männerschwarm Verlag, 2006, S. 175)

Die Vorurteile im Einzelnen:

- Verführungsvorwurf: Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern/Jugendlichen (heutzutage wird da aufgrund der allgemeinen Stimmungslage ja nicht mehr unterschieden) entstehen nur auf Initiative des Erwachsenen, und zwar dadurch, dass dieser seine Machtposition gewaltsam ausnutzt. Wurde dies früher allen Homosexuellen angelastet, sollen es heute nur noch die pädophilen unter ihnen sein, die „die Jugend verderben“ – eine Entwicklung, die nicht zuletzt auch durch die scharfe Trennung zwischen Homosexualität und Pädophilie von der Schwulenbewegung selber begünstigt wurde.
- isolierter Charakter außerhalb der Gesellschaft: pädophil sind immer „die anderen“. Es erscheint undenkbar, dass pädophil empfindende Menschen im eigenen Umfeld, im eigenen Freundeskreis, verkehren, oder dass man gar selber eine solche Neigung hat.
- psychopathische Gesamtpersönlichkeit: Pädophilie gilt als krank und pervers und wird in der Regel gleichgesetzt mit Triebtäterschaft und sexuellem Missbrauch.
- mangelhafte Ausprägung der Geschlechtsnorm: die heteronormative Gesellschaft verlangt ein heterosexuelles Begehren nach Erwachsenen und sonst nichts – Grautöne gibt es nicht, und nur der/die ist ein richtiger Mann/eine richtige Frau, der/die ein solches Begehren aufweisen kann. Dies ist vielleicht der einzige Punkt, von dem auch die Erwachsenen-Homosexualität, sofern sie in ihrer Beziehungsgestaltung weithin akzeptierten Normen folgt, noch betroffen ist.

Der Autor vermutet, dass es noch mindestens fünfzehn Jahre dauert, bis sich an dieser Situation etwas ändert. Ich bin ähnlich pessimistisch.


1 Antwort auf “Pedophile is the new gay”


  1. 1 tee 04. Mai 2007 um 1:23 Uhr

    die überschrift trifft es tatsächlich ein wenig. wenn auch die pädophilophobie(?) die grosse leere, die die homophobie zum glück aber natürlich auch leider hinterlassen wird, nicht allein ausfüllen kann.
    insbesondere das zweite vorurteil ist (noch) geradzu ein gesellschaftliches bedürfnis.

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