Als Päderast in dieser Gesellschaft

Wie es ist, als Päderast innerhalb einer Gesellschaft zu leben, die jede sexuelle Andersartigkeit direkt mit einem Stigma oder gar völlig falsch mit dem Vorwurf der Gewalttätigkeit und Triebhaftigkeit belegt, wusste nicht nur der Anarchist Peter Schult, sondern das erlebt jeder von uns tagtäglich in immer wieder neuen Situationen. Schult hatte, zumindest anfangs, immerhin noch eine aufstrebende linke Szene hinter sich, für die Emanzipation auch die sexuelle Seite einschloss, aber spätestens seit 1985, als Die Grünen sich endgültig von den Pädophilen und Päderasten lossagten, um endlich im demokratischen Deutschland anzukommen, ist auch dieser Rückhalt beinahe vollends erledigt. Was hat das eigentlich für Konsequenzen?

Zunächst einmal wird sich kein Päderast freiwillig outen, da er überwiegend Nachteile davon erführe, und das, obwohl doch, wie die Geschichte der Schwulen-und-Lesben-Bewegung gezeigt hat, das Coming Out in einer heteronormativen Gesellschaft von selbstbewussten Individuuen ein unabdingbarer Bestandteil der eigenen Identität ist (dass eine bürgerliche „Identität“ als solche auch kritikwürdig ist, soll hier nicht Thema sein). Der Päderast lebt also im Grunde ein Leben im Verborgenen und baut sich eine Ersatzidentität auf, mit der er aus dem Verborgenen heraus treten kann. Diese kann aus dem Versuch bestehen, hetero- oder homosexuelle Beziehungen mit Gleichaltrigen einzugehen (was durchaus erfolgreich sein kann, denn Pädophilie muss ja keine ausschließliche Neigung sein), sie kann auch in der Identität des „überzeugten Singles“ münden, der so tut, als hätte er nur flüchtige oder gar keine sexuellen Kontakte („asexuell“), oder aber es wird der Versuch unternommen, das Privatleben durch Verschweigen oder Verschleiern geheim zu halten. In jedem Fall entsteht ein enormer Identitätsdruck, der das Leben empfindlich einschränken kann, wenn keine Strategien zur Sublimierung gefunden werden können.

Eine solche Strategie – auch, um die eigene pädophile Neigung teilweise auszuleben – ist der Einsatz für Kinder und Jugendliche in sozialen oder pädagogischen Berufen. Umgeben von denen, zu denen man sich hingezogen fühlt, kann der Päderast nicht nur eine Art emotionale Befriedigung finden, sondern auch seiner Umwelt vorgaukeln, die Arbeit sei so anstrengend, sie lasse ihm gar keine Zeit für ein Privatleben. Selbstverständlich will ich damit nicht sagen, dass alle Pädagogen oder Sozialarbeiter pädophil wären, aber es würde mich unter dem oben angesprochenen Blickwinkel doch einmal interessieren, wie hoch der Anteil Pädophiler bei ihnen ist – eine Forschungsfrage, die vermutlich in den nächsten Jahrzehnten eher nicht zur Bearbeitung kommen wird, solange Päderasten in den Augen der „Normalen“ vor allem eines sind, nämlich „Kinderficker“. Das hat auch eine gute Seite: die Wahrnehmung der Gesellschaft ist meistens so gestrickt, dass Pädophilie gar nicht erst angenommen wird bei Menschen, die sonst „ganz normal“ wirken. Ich kenne z. B. einen Mann, der regelmäßig einen autistischen Jungen, den er mal als Zivildienstleistender betreut hat, besucht, um mit ihm etwas zu unternehmen. Es ist offensichtlich, dass zwischen den beiden eine tiefe emotionale Bindung entstanden ist – aber würde hier jemand Pädophilie vermuten? Nein, denn der Junge wird nicht missbraucht und freut sich jedes Mal sehr auf die Ausflüge mit seinem großen Freund. Solche Beziehungen sind also tolerabel, solange sie nicht mit Pädophilie erklärt werden – ein Muster, das man, wenn man sich mal durch die einschlägigen Foren wühlt, auch immer wieder bei Kontakten von Pädophilen mit Eltern findet: vielfach herrscht eine ausgesprochen gute Beziehung zwischen dem Mann und den Eltern seines Freundes, aber wehe, er outet sich als Pädophiler, dann wäre Schluss mit lustig, auch auf die Gefahr hin, dass das Kind unter dem Verlust der Beziehung leiden könnte.

Solange also eine repressive heteronormative Sexualmoral uns immer wieder die Normalität von heterosexuellen Liebesbeziehungen aufherrscht, wird das auch nicht anders werden: und deshalb ist es an der Zeit, gemeinsam mit anderen sexualemanzipatorischen Gruppen gegen die herrschende Moral anzukämpfen – wenn sie einen denn lassen. Aber dazu ein anderes Mal.


7 Antworten auf “Als Päderast in dieser Gesellschaft”


  1. 1 Rebel 27. Mai 2008 um 13:28 Uhr

    Ich finde die Gesellschaft so verklemmt und verlogen.

    Ich bin für die Freigabe ab 14 Jahre.

    Gruß

    Dieter

  2. 2 ich 27. Februar 2009 um 13:20 Uhr

    Ich bin Sozialarbeiter, hatte in meiner gesamten Berufszeit schon mehrfach die Gelegenheit,..vermeintlich auf Freiwilligkeit es Jungen,..ein sexuelles Erlebnis hätte haben zu können. Es iist mir grundsätzlich nicht leicht gefalle es zu verweigern..aber ich habe es verweigert. Und das nur aus Angst vor em Entdecktwerden UND DEN DAMIT VERBUNDENEN KONSEQUENZEN. Ich würde, wenn es die Gesellschaft ermöglichte mein Leben mit einem Jungen ab 12 gerne Teilen,.. ich hätte aber überhaupt kein Problem, bei liebe, mein Leben auch zu teilen und sexuell zu empfinden wenn dieser Junge erwachsen wird.Ich habe bereits einen Jugendlichen ab seinem 13 Lebensjahr als Freund gehabt, bin mit ihm viele Jahre glücklich gewesen, leider starb er mit 26 an einem Unfall. Ich liebte ihn bis zum Schluss und begehrte seinen Körper.. Erklären sie mir das mal. Schwul oder Päderast.. Bin mir da selbst nicht sicher. Ich finde Knabenkörper wegen ihre Ästethik auch unterhalb der 10 Jahresgrenze sehr schön,…(also wenigstens bis 8jahren) Unter diesem Alter sind es kleine Babys.. Ich finde den Gedanken an Sex mit einem Jungen vor der Pubertät aber eher komisch, weil keinerlei vernünftige sexuelle Erwartungen erfüllt werden könnten, geschweige denn von entsprechenden Sekreten und der Gleichen.Ich glaube was viele nichtverbrecherische Menschen die neigungen zu kleinen Kindern haben umtreibt ist das Kindliche, der junge Charakter, das Unbeschwerte. Man möchte es selber vielleicht noch sein. Wie auch immer. Die Natur macht keine Fehler und alles hat irgendwo seinen Sinn.

  3. 3 Thommen 27. Februar 2009 um 18:42 Uhr

    Ich denke, dass Du richtig handelst, wenn Du das Strafrecht beachtest! Natürlich ist die Sexualität von Kindern etwas anders als diejenige von Erwachsenen. Aber auch unter Erwachsenen finden sich viele „kindliche“ Verhaltensweisen. Bei Kindern wiederum wird auf die Erwachsenen geguckt und „nachgeahmt“, sonst würden nicht soviele minderjährige Mädchen schwanger und sogar 12jährige Knaben zu Vätern… Ich stelle hier wirklich die Frage, ob das nicht genauso traumatisierend ist wie ein homosexuelles Erlebnis mit einem Erwachsenen…

    Mir fällt nur auf, dass bei Heterosexualität unter Kindern die politische Korrektheit ihres Handelns anerkannt wird. Würde es um gleichgeschlechtliche Handlungen gehen, wäre der Teufel los.
    Nach dem Motto: Wenn denn schon unbedingt Sex, dann wenigstens „fruchtbaren statt furchtbaren“…

    Das Sexualleben der Kinder muss kulturell ausgestaltet werden. Es ist nicht ihre Aufgabe, schon Kinder zu „machen“. Von Liebe will ich gar nicht reden. Das passt aber gar nicht in die Sichtweisen von Eltern. Hier muss sich was ändern. Kinder können sich auch schon wehren gegen sexuelle Avancen von Erwachsenen, wenn diese nicht eben in der trauten Familie stattfinden.

    Es gibt genug Gelegenheiten, mit Kindern über Sexualität zu sprechen, wie über anderes auch. Leider ist das schlechte eigene Gewissen so stark, dass das Strafbedürfnis gegenüber „Pädophilen“ überwiegt. Wie ich schon in einer TV-Sendung vor Jahren sagte, bedeutet die Freiheit NEIN zu asgen auch die Freiheit mal JA zu sagen. Sonst ist es keine Freiheit, sondern Bevormundung.

  4. 4 rxsa 24. Mai 2009 um 22:39 Uhr

    Zum Glück bin ich relativ liberal aufgewachsen, nie in dem Glauben mich für etwas angeborenes wie zum Beispiel meine Sexualität schämen zu müssen. So kam es das ich mich in der 7. Klasse als Bisexuell geoutet habe, was durchaus seine Nachteile nach sich gezogen hat, aber eben auch die Erleichterung sich nicht verstecken zu müssen. Diese Erfahrung wollte ich wieder so machen, als ich feststellte mich eben nicht für Frauen oder Männer (oder Mädchen) zu intressieren. Also habe ich mich in meiner Familie und meinem Freundeskreis geoutet. Und weil sowas schnell die Runde macht, auch unfreiwillig bei Leuten die es besser nicht wüssten. Ich hatte Glück, mir ist kein Freund davon gelaufen und kein Familienmitglied hat mich verstossen. Manche leben sehr gut damit, andere ignorieren es vielleicht (womit ich wirklich leben kann) und manche akzeptieren es eben als „krank“.
    Das tue ich leider auch meistens. Es ist schwierig sich in dieser Gesellschaft nicht selbst krank zu finden, wo es einem doch immer wieder suggeriert wird. Aber ich kann mit meinen Freunden darüber reden wenn ich mal Liebeskummer habe oder ungehemmt seufzen wenn ein schöner Junge an uns vorbei geht. Und diese Freiheit möchte ich nicht missen. Also wenn ihr glaubt eine Chance zu haben euch nicht mehr verstecken zu müssen … Vielleicht wagt ihr es einfach. Es hat mir sehr geholfen.

    mfg rxsa

  5. 5 Admin 25. Mai 2009 um 14:57 Uhr

    Freut mich, dass es dir mit deinem Outing so gut ging, und ich wünsche dir, dass das auch so bleibt. Aber bezieh das nicht voreilig auf andere, man muss da schon sehr genau abwägen, wem man es erzählt, und ob der Druck wirklich so groß ist, dass man dieses Risiko eingehen möchte. Bei mir wissen es ein paar Freunde, andere ahnen es. Es war bei mir weniger eine freie Willensentscheidung, mich zu outen, als vielmehr ein sorgloses Nicht-Verschweigen, das seinen Grund darin hatte, dass ich mich so überschwänglich über meine „Entdeckung“ gefreut habe, dass ich nicht vernünftig nachdenken konnte. Irgendwann war es dann für einige Leute halt klar, und wir sprachen auch darüber, worüber ich sehr froh bin, da es halt gut tut, akzeptiert zu werden. Bei anderen blieb es im Diffusen, und darüber bin ich eigentlich auch ganz froh, da ich im Grunde doch ein misstrauischer und ängstlicher Mensch bin, der der Überzeugung ist, dass eigentlich niemand 100%iges Vertrauen verdient hat – ein bisschen Angst bleibt immer.

    Aber gut: Leben ist spannend so, besser als endlose Langeweile und Depris, so wie früher. ;)

  6. 6 Robin 01. Oktober 2010 um 12:28 Uhr

    Also ich will nur ermahnen das ein 12 jähriger Junge unter keinen Umständen erkennen kann was er da tut, sollte er sich auf einen Erwachsenen einlassen. Daher ist es warscheinlicher das er es aus gründen der Anerkennung macht und nicht der Sexuellen begierde wegen.

    Ich habe auch noch nie davon gehört das sich 12 jährige Erwachsenen gegenüber sexuell aktiv werden. Ich denke Pädophile möchten nur die sexuelle Ahnungslosigkeit zunutze machen, und ich behaupte das Pädophile selbst keinen normalen bezug zur Liebe und Sex haben.

    Ich möchte hier niemanden Verurteilen ausser jene natürlich die Vergewaltigen, aber bedenkt das Kinder noch in der Entwicklung sind und erst lernen was Liebe ist. Dafür brauchen sie sicher keinen Sex mit Erwachsenen

  7. 7 Thommen 01. Oktober 2010 um 17:39 Uhr

    Ich denke und glaube nicht irgendwas. Bei dem allgemeinen Totschweigen der sexuellen Bedürfnisse von Kindern, ist es nur logisch, dass jemand über dieses und jenes „noch nichts gehört“ hat. Also soll er lieber schreiben, er fände das unangemessen, oder er könne sich das für sich selber nicht vorstellen.

    Jedenfalls ist es falsch, die Knaben in den Topf mit den Mädchen zu werfen. Denn ein Erwachsener und ein Knabe haben im weitesten Sinne mehr gemeinsames, als ein erwachsener Mann und eine erwachsene Frau. Also was soll der Beitrag von Robin? Er betet nur Unkenntnis nach…

    Es ist komisch, dass Kindesmutterschaft und – Vaterschaft nicht traumatisierend sein soll – auch später für das gemeinsame Kind, aber dafür ein gemeinsamer Wix innerhalb des gleichen Geschlechtes? Sowas hat noch keinen Knaben zum Homosexuellen gemacht, ihm aber eine gewisse sexuelle Autonomie von der Heterosexualität gewährt.

    Die Homosexualität ist ein normaler Bereich in der Kindheit eines männlichen Wesens. Bei Frauen weiss ich nicht. Aber es sind meistens Frauen, die über die Sexualentwicklung ihr fremder Wesen entscheiden und sie auch beeinflussen… Aber so etwas wird als „normal“ angesehen.

    Der heterosexuelle Familienkomplex ist ein sehr zu hinterfragendes Konstrukt und wird mit „Oedipuskomplex“ völlig falsch bezeichnet. Ausserdem hat die emotionale Liebe zum gleichen Geschlecht etwas was mit Identität zu tun, was mit dem anderen Geschlecht aber unmöglich ist.

    Fragt sich daher, was ein Kind mit dem anderen Geschlecht verbindet – ausser einem sexuellen Spiel, das vielleicht auch noch Früchte trägt. Hier wäre auch die Frage zu stellen, was es denn nun ist, das Kinder zu „Heterosexuellen“ macht? Ist es vielleicht die politisch korrekte Enthaltsamkeit von der Homosexualität – die eben keine Früchte trägt, über die Erwachsene sich dann wieder gerne freuen???

    Solange niefrau/niemannd mit Kindern redet, wie zB es der Bornemann getan hat, hat eh keineR irgendwas gehört und gesehen. Aber dazu sind die meisten eben eh zu feige.

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