…werde bloß kein Heiliger.

5.9.58. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich am besten mit mir ins Reine komme, wenn ich mich von der Außenwelt isoliere. Also such die Isolation, geh in Klöster, Gefängnisse, oder Wüsten. Das sind die Plätze, wo du Ruhe findest. Bleibe für dich, schließe dich niemandem an, hänge dich an keinen Menschen, meide sie, lebe für dich. Du kannst es, im Grunde verachtest du sie ja alle, bist arrogant, aristokratisch, damit du nicht in Versuchung kommst dich für einen Übermenschen zu halten. Bereue keine Fehler, genieße das Laster, es zeigt dir, daß du dieselben Schwächen hast, wie jeder andere auch. Liebe die Knaben und laß dich lieben, aber lebe; lebe und werde bloß kein Heiliger. Die Schwächen sind es, die uns Mensch bleiben lassen, sonst glaubt man noch, zu den Göttern zu gehören.

(Peter Schult, „Besuche in Sackgassen“, Trikont 1978, Nachdruck im Männerschwarm Verlag 2006; 5. Kapitel „Tagebuch aus der Fremdenlegion“, S. 92 )