Buchtipp: Heimliche Freundschaften

Warum sollen wir denn auch ewig nachgeben? Sind wir immer im Unrecht, weil wir Kinder sind? Sind Kinder vielleicht keine menschlichen Wesen? Sollen wir als einzige nicht das Recht haben, zu lieben? Bei uns beiden jedenfalls wird alle Mühe vergeblich sein. Weder Eltern noch Lehrer können uns daran hindern, daß wir uns lieben.

Dies schreibt der 12jährige Alexander an seinen 14jährigen Geliebten Georges in Roger Peyrefittes klassischem Schwulenroman „Heimliche Freundschaften“ (Les Amitiés particulières), der erstmals 1944 erschien und seinem Autor, dessen Erstlingswerk er ist, direkt einen Preis, aber auch einen handfesten Skandal einbrachte, thematisiert er doch amouröse Beziehungen zwischen Jungen sowie die päderatische Liebe von Priestern zu ihnen in einem erzkonservativen katholischen Internat. Bedingt durch sein Alter ist die Sprache des Romans sowie der Aufbau der Erzählung nicht mehr zeitgemäß, was dem Ganzen aber auch einen besonderen Reiz und der Liebe der Jungen zueinander eine besondere Tiefe verleiht. Es ist einfach wunderschön, wie der Dichter, übrigens selber Päderast, die langsame Annäherung der beiden und wie er aus der Sicht seiner Hauptfigur Georges den jungen Alexander beschreibt, der so dem Leser vor dessen geistigem Auge als die Personifizierung der Schönheit schlechthin erscheint. Man kann versinken in der gleichsam faszinierenden wie erschreckenden Welt eines katholischen Internats in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, man durchlebt mit Georges die ihm völlig natürlich erscheinende Liebe zu den Jungen und man leidet mit, wenn die Geschehnisse, bedingt durch die maliziöse, heuchlerische Macht des Katholizismus, eine dramatische Wendung nehmen.

Ein großartiges Plädoyer für die Jungenliebe und gegen die Macht der organisierten Religion. Sehr zu empfehlen!