Zwischen Egoismus und Hoffnung

Ich gehe nach Hause, und ich will, dass er da sitzt, verheult, mit keinem Flecken Erde, auf dem er sich zu Hause fühlt. Ich will, dass er mich erkennt, dass ich ihm die Hand geben kann, ihn hoch zu mir ziehen und ihm meinen kleinen Flecken anbieten kann, nur für die eine Nacht, denn morgen, morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus, sage ich ihm und wische ihm die Tränen aus den Augen.

Was ist das für eine egozentrische Vorstellung: den Jungen, den man liebt, als verlorenen Ausreißer sehen zu wollen, nur um des eigenen Vorteils willen. Das ist keine Liebe, denke ich mir, aber ich denke trotzdem immer wieder daran, wie gerne ich ihm helfen würde, aus der Not heraus. Nur, dass er dafür erst einmal in Not sein müsste. Ich habe einfach diese Schwäche für Benachteiligte, denke ich, und versuche meinen Egoismus zu entschuldigen. Jetzt würde ich in einem Dilemma stecken, wenn es nicht ohnehin schon völlig abwegig wäre, was ich denke: ich werde ihn niemals mehr sehen, nicht im Glück und nicht im Unglück, er ist zu weit weg, ich bin hier, und ich kann hier nicht weg. Und so wandere ich weiter und hoffe, jemand anderen zu finden, der mich braucht oder der wenigstens gerne mit mir Zeit verbringt. Der Liebeskummer ist fast vergessen – jetzt gilt es, nach vorne zu schauen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.


3 Antworten auf “Zwischen Egoismus und Hoffnung”


  1. 1 Crash 23. Juli 2007 um 23:42 Uhr

    Das ist glaube ich eine ganz häufige Sache. Habe ich bei mir auch schon öfter beobachtet dass ich der Person (in meinem Fall jetzt nicht minderjährig), in die ich verliebt war, etwas schlechtes „gewünscht“ habe, nur um ihr dann helfen zu können und ihr dadurch positiv aufzufallen. Hab mich auch immer selber für solche Gedanken gehasst, schön zu lesen, dass ich nicht der einzige bin, der manchmal solche Gedankengänge hat.

  2. 2 tee 24. Juli 2007 um 0:19 Uhr

    da sei beruhigt, dass geht sehr vielen so …

  3. 3 rxsa 24. Mai 2009 um 23:16 Uhr

    Ich kenne das auch gut von mir. Alles was ich als Liebe empfinde, stellt sich mir manchmal als reiner Egoismus dar. Will ich eigentlich das er glücklich ist, oder das er MIT MIR glücklich ist? Tja. Gottseidank denke ich nicht immer so, denn das wäre mir gegenüber nicht fair. Ich deklariere meine Gefühle als echt, auch wenn die Schmerzen die sie mir bereiten mich manchmal daran zweifeln lassen.

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