Moonlight Shadow

The trees that whisper in the evening
carried away by a moonlight shadow
sing a song of sorrow and grieving
carried away by a moonlight shadow…

(Mike Oldfield, „Moonlight Shadow“)

Meine erste große Liebe werde ich nie vergessen. Ich war elf Jahre alt, in der vierten Klasse einer katholischen Grundschule und fürchterlich verliebt in einen meiner Klassenkameraden. C. hatte strohblonde Haare, eine niedliche Nase und wundervolle geschmeidige Lippen. Er hatte, wie alle Menschen, einen ganz eigenen Geruch an sich, den ich heute nur noch erahnen kann. Ich bin sowieso ein sehr olfaktorischer Mensch, aber dieser Junge roch einfach umwerfend. Er war die Schönheit in Person, und ich genoss jede Sekunde mit ihm. Wir spielten Fangen, wir bauten Höhlen, wir streunten durch die Baugruben unseres Wohngebiets, wir waren unschuldige Jungen, und einer von ihnen war ich, der sich vor Sehnsucht zerriss, wenn C. nicht in der Nähe war.

Es gibt ein Lied, das ich mit dieser Phase verbinde, und zwar ist das „Moonlight Shadow“ von Mike Oldfield, gesungen von der wunderbaren Maggie Reilly. Ich saß damals auf der Ladefläche des Kombis meines Vaters und träumte mal wieder von C., und mein Vater machte dieses Lied an. Das Stück trug mich mit seiner herrlichen Kombination aus Melancholie und Lebensfreude einfach nur davon. Neulich hörte ich es mal wieder, und ich bekam einen dicken Kloß im Hals – aus C. und mir ist nie etwas geworden, wir waren immer nur gute Freunde, irgendwann auch das nicht mehr; vor ein-zwei Jahren habe ich ihn mal wiedergesehen, und von dem wunderschönen Jungen von damals ist natürlich nichts mehr übrig geblieben. Dennoch werde ich diese Liebe, wie alle anderen auch, immer in meinem Herzen tragen und an ihn denken, wenn Maggie Reilly vom „Moonlight Shadow“ singt.