Gigi: „Glückwunsch“ auch von rechts

Nicht nur ich gratuliere der Gigi zur 50. Ausgabe, auch Jan Feddersen, taz-Dreckschleuder vom Dienst, wenn’s um Schwule (gut) und Moslems (böse) geht, kann sein Maul mal wieder nicht halten und zieht deshalb in seinem Haus-Blatt ordentlich vom Leder:


Man hat, aus den wesenden Resten der Linken kommend, viel gegen Bürgerrechtlichkeit, wütet gegen den Lesben- und Schwulenverband, gegen das „System“ überhaupt. Gigi ist ferner gegen den „Mythos der Zweigeschlechtlichkeit“, außerdem jedoch ganz Mainstream im Allerlei linksliberaler Weltbefindlichkeit (Rassismus usw., den man natürlich überall wähnt). Im Grunde entdeckt die Redaktion gern überall Verschwörung, Unreinheit und Schmutz, der nicht ins Auge fällt, außer der, eben, Gigi: ein Siegessäulchen wie Wachtturm für sexuelle Zwischenstufler. Glückwunsch!

Da steckt einfach alles drin, was ein ehemaliges Mitglied des Kommunistischen Bundes, das sich für seine linke Vergangenheit offenbar unheimlich schämt und deshalb mittlerweile am ganz rechten Rand der Grünen angekommen ist, mithin also konservativer als der konservativste CDU‘ler genannt werden darf, so vom Stapel lassen kann, wenn es nur darum geht, Linke zu diffamieren, also jene, die solche wie Feddersen gerne „Ewiggestrige“ nennen:

1. sind die Jungs und Mädels von Gigi natürlich schon der Verwesung anheimgefallen, das haut schonmal ordentlich rein, danach brauch eigentlich gar nichts mehr kommen, denn wer mag schon Zombies?

2. behauptet Feddersen, die Zeitschrift sei „gegen Bürgerrechtlichkeit“, was den unbedarften Leser stutzig machen soll: „Bürgerrechte? Sind die nicht gut?“ Nein, sind sie nicht, jedenfalls nicht, wenn man sie so versteht wie sie Kommunisten eben verstehen, nämlich richtig: als Almosen für das vom Staat verwaltete Menschenmaterial, ein Almosen, das die Schädigungen, die im Kapitalismus ständig erlitten werden, aufwiegen soll: ich geb dir Meinungsfreiheit, du gehst dafür jeden Tag in die Säureminen (oder an einen beliebigen anderen beschissenen Arbeitsplatz, den ich dir aufzwinge).

3. benutzt Feddersen das rhetorische Mittel des Anführungszeichensetzens, mit dem er aussagt, wieviel er von den in Gänsefüßchen gesetzten Begriffen hält, nämlich nichts: ein „System“ gibt es für ihn offenbar gar nicht, wir sind ja alle frei, frei wie ein Vogel, und der „Mythos der Zweigeschlechtlichkeit“ ist halt gar keiner, sondern das ist wieder so blöder linker Quatsch, die sollen mal sich alle nicht so haben, seht her, ich hab doch nen Pimmel, ich bin also ein Mann! Wie es tatsächlich aussieht, was für eine Kritik z.B. die Gigi an der Zweigeschlechtlichkeit hat, das ist ihm egal.

4. haut Feddersen richtig auf die Kacke, indem er behauptet, die Gigi befinde sich bereits im „im Allerlei linksliberaler Weltbefindlichkeit“, das Rassismus „überall wähnt“. Da stecken zwei Hämmer drin: erstens ist eine eigentlich linksradikale Zeitschrift für Feddersen jetzt plötzlich linksliberal, das heißt, er sieht sich (und sein Blatt, die taz) schon ganz in der Mitte, wenn nicht rechts im politischen Spektrum, denn wenn schon die Gigi „liberal“ ist, kann doch die taz mit ihren weniger radikalen Positionen es nicht mehr sein – eine interessante Feststellung, wie ich finde. Zweitens finden wir auch hier wieder die wie unter 3. beschriebene Ignoranz der Sache gegenüber: es interessiert Feddersen überhaupt nicht, wo genau die Gigi Rassismus „wähnt“, er hat kein Interesse daran zu prüfen, ob da nicht vielleicht tatsächlich Rassismus vorhanden ist, er setzt sich überhaupt nicht mit den Argumenten zur Sache auseinander, sondern er genießt es in der Loge der Rechtskonservativen zu sitzen und sich über die dummen Linken zu amüsieren, denen man in der Sache schon lange nichts mehr zu sagen hat.

5. geht’s dann nochmal so richtig in den Sumpf: „Verschwörung, Unreinheit und Schmutz“ sehe die Gigi überall! Aha. Dass es in den mir bekannten etwa 15 Ausgaben überhaupt in keiner einzigen um „Verschwörung, Unreinheit und Schmutz“ ging, sondern um spannende sexualemanzipatorisch relevante Inhalte, ist einem Hetzer wie Feddersen scheißegal: der haut einfach mal drauflos, dass es nur so spritzt. Und dann wird die Zeitschrift noch abschließend zu „Siegessäulchen wie Wachtturm für sexuelle Zwischenstufler“, also zum einen zu einer Mini-Ausgabe der Mainstream-Schwulenzeitschrift Siegessäule und zum anderen zu einem durchgeknallten Sektenblatt. Beide Vorwürfe sind völlig absurd.

Genauso wie auch die Behauptung Feddersens, in der aktuellen Gigi-Ausgabe werde „unverhohlen für die Selbstdarstellungswünsche Pädosexueller Partei [ergriffen]“ (wird es nicht, es geht um sachliche wie auch polemische Auseinandersetzung mit den den aktuellen Diskurs bestimmenden Sexualideologen), und zwar „trotzdem“, denn „es gelang, die Deutsche Aids-Hilfe e. V. zu zwei ganzseitigen Farbanzeigen zu überreden“ – wenn also eine Zeitschrift die AIDS-Prävention unterstützt und deshalb wiederum von der AIDS-Hilfe unterstützt wird, steht das – so Feddersen – in krassem Gegensatz zu einem Engagement für „Pädosexuelle“, denn das eine ist ja gut und das andere der Gottseibeiuns. Der Gottseibeiuns für an Aufklärung und sexueller Emanzipation Interessierte hingegen ist mit diesem „Glückwunsch“ an die Gigi endgültig: Jan Feddersen.


2 Antworten auf “Gigi: „Glückwunsch“ auch von rechts”


  1. 1 Eike Stedefeldt 08. Juli 2007 um 21:46 Uhr

    Zunächst dem Autor namens der Gigi-Redaktion herzlichen Dank für die Glückwünsche zum 50. Heft.

    Mir liegt indes daran, eine Falschdarstellung des Jan Feddersen zu korrigieren, die hier freilich nicht korrigiert werden konnte, weil sie Geschäftsführungsinterna betrifft, die der Herr Feddersen aus ersichtlichen Gründen nicht zu recherchieren sich mühen mußte; für seinen Artikel waren nachprüfbare Sachinformationen kontraproduktiv, darum hat er auch die Gigi-Pressekonferenz am 29. Juni in Berlin nicht besucht. Das 50. Heft mußte er sich darum am 30. Juni beschaffen, und zwar in einem der beiden Berliner Buchläden, die Gigi vertreiben und am selben Tag beliefert worden waren.

    Also zum Faktischen: Feddersen schrieb, die AIDS-Hilfe habe zwei ganzseitige Anzeigen in Gigi gebucht bzw. sich dazu überreden lassen. Das ist falsch. Richtig ist: Den Rücktitel hat die DAH seit Jahren für ihre Anzeigen reserviert, denn Gigi deckt eine Präventionszielgruppe bevorzugt ab, die andere (Homo-)Blätter in geringerem Maße oder gar nicht erreichen: den eher intellektuellen, lesefreudigen schwulen Mann.

    Das zweite Inserat ist Teil einer Präventionskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betreffend sexuell übertragbare Krankheiten, die derzeit in allen relevanten (schwulen) Magazinen mittels ganzseitigen Anzeigen geführt wird. Gigi hat diesen Auftrag nicht akquiriert, denn eine aktive Anzeigenakquise findet bei Gigi nicht statt. Die zuständige Agentur der BZgA sandte einfach einen Auftrag und ersuchte, weil der Platz ausgebucht war, dringend darum, die von anderen Anzeigenkunden belegte Seite 2 dafür zu räumen. Diese Kunden gaben ihr Einverständnis und wechselten auf die vorletzte Seite.

    Im übrigen sei darauf hingewiesen, daß die BZgA selbst dann nur konsequent wäre, WENN Gigi das Pädoblatt wäre, das Feddersen mit seinen verquasten Darstellungen zu suggerieren und zu denunzieren sucht. Sie schaltet nämlich derzeit auch Werbung, die besagt, daß auch „junges Gemüse“ (also Kinder und Jugendliche) sich mit Kondomen vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen sollten. Die BZgA, eine dem Bundesgesundheitsministerium nachgeordnete Behörde, beweist also im Gegensatz etwa zum Bundesjustizministerium lediglich Realitätssinn: Kinder und Júgendliche haben nun mal Sex und lassen sich davon nicht mal durch Gesetze und Verbote abhalten, sie werden sogar Eltern. Insofern steht die Schaltung in Gigi zu nichts im Widerspruch, außer freilich zu den frommen Wünschen Feddersens.

    Zu korrigieren wäre noch etwas, und zwar zum Passus: „Da steckt einfach alles drin, was ein ehemaliges Mitglied des Kommunistischen Bundes, das sich für seine linke Vergangenheit offenbar unheimlich schämt und deshalb mittlerweile am ganz rechten Rand der Grünen angekommen ist …“ Jan Feddersen ist kein Mitglied der Grünen Partei, sondern laut eigenem öffentlichen Geständnis der SPD. Aber der ganz rechte Rand ist trotzdem richtig.

  1. 1 Gigi #52 | Herbst in der Seele Pingback am 05. November 2007 um 0:40 Uhr
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