Kinder sind Damenslips?

K13 weist auf ein Interview von ITP-Arcados mit der ehemaligen Bundestagsabgeordneten der Grünen und heutigen Kindertherapeutin Marita Wagner hin. Darin finden sich einige Absurditäten:


Geschlechtlich ausgerichtete Charaktereigenschaften sind bei Kindern natürlicherweise kaum ausgeprägt und bilden sich erst mit der Pubertät. Es bleibt damit eine Tatsache, dass sich der Pädophile an dem jungen Menschen in seinem vorwiegend geschlechtslosen Stadium orientiert.

Vor der Pubertät sind Kinder also noch Kinder und keine Jungen oder Mädchen. Die Ausformung einer Geschlechterrolle beginnt für Frau Wagner erst mit der Pubertät und nicht etwa z.B. im Alter von drei Jahren, wenn das Mädchen ein rosanes Kleid und der Junge sein erstes Spielzeugauto geschenkt bekommt. Und die Tatsache, dass sich die Pädophilen ganz eindeutig selber identifizieren als sog. Boy- und Girllover, scheint sie gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen.

Diese Leugnung einer Geschlechterpräferenz bei Pädophilen hat auch einen Grund – Pädophilen sollen als pervers definiert werden und nicht als Menschen mit einer normalen sexuellen Orientierung:

Eine sexuelle Orientierung oder Ausrichtung bezieht sich auf das Geschlecht. Dies kann bei einer Pädophilie nicht festgestellt werden. Der angebliche Geschlechtspartner ist entweder männlich oder weiblich. Somit stellt sich die Frage, wo da eine Orientierung oder Ausrichtung zu endecken sei, die vor allem sexuell begründet sein soll.

Zudem haben Kinder keine den Erwachsenen entsprechende Sexualität. Genauso wenig hat ein Damenslip oder ein Männerschuh eine Sexualität. Von daher ist es folgerichtig, dass die Pädophilie zu den sexuellen Deviationen gezählt wird. Es gibt keinen sexuellen Partner.

Frau Wagner macht Kinder hier zu Damenslips und Männerschuhen. Pädophile tun das nicht – für sie sind Kinder Menschen, Menschen, die – das ist ja mittlerweile unumstritten – eine Sexualität haben und empfänglich für Lustreize sind.

Aberwitzig ist dann das Folgende:

Alle Erklärungsversuche der Pädophilen, die mir bisher bekannt sind, scheitern entweder daran, dass sie versuchen eine nichtsexuelle Beziehung zum Kind hochzuhalten, was dann aber wieder nichts mit Sexualität zu tun hat, oder daran, dass ihre Beziehung zu dem Kind auf den simple consent reduzieren, damit die nicht vorhandene Sexualität der Kinder für sich ausblenden und Kinder damit zu Objekten degradiert werden.

Frau Wagner, die gerade noch Kinder selber zu Objekten degradiert hat, wirft nun den Pädophilen genau das vor, und zwar mit der bei sog. Kinderschützern beliebten These vom „simple consent“, also des „einfachen Einverständnisses“ im Gegensatz zum „informierten Einverständnis“, das nur Erwachsene haben könnten. Dass man Kinder auch aufklären kann und damit das „einfache“ zu einem „informierten“ Einverständnis werden könnte, kommt in diesem Argument gar nicht vor, genauso wenig wie die Frage, ob so etwas wie ein „informiertes Einverständnis“ überhaupt eine Voraussetzung dafür ist, dass zwei Menschen miteinander Lust empfinden. Und was ist eigentlich mit zwei Kindern, die miteinander sexuelle Zärtlichkeiten austauschen? Sie sind nicht „informiert“, es wäre demnach schädlich für sie! Im übrigen basiert dieser ganze Quatsch vom „informierten Einverständnis“ ja auf einem Zirkelschluss, denn wer begründen möchte, „weshalb sexuelle Interaktionen mit Kindern verwerflich sind, muß (…) die Verwerflichkeit schon voraussetzen, um sie überhaupt begründen zu können“ (Sebastian Anders, ‚Das imptotente Kind‘, in: Gigi Nr. 38): wer sich einem Kinde sexuell nähert oder auf die Avancen eines Kindes eingeht, konfrontiere es mit der als verwerflich vorausgesetzten (!) Sexualität, müsse es also zwangsläufig moralisch verderben, wobei eben dieses moralische Verderben nicht hinterfragt, sondern wie gesagt von vornherein als solches angenommen wird – und dann kommt auch nichts anderes dabei heraus. Initiiert ein Kind trotzdem einen sexuellen Kontakt oder stimmt ihm zu, beweist es damit nur, dass es dafür eigentlich moralisch noch nicht reif genug ist – weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Das Gerede vom „informierten Einverständnis“ erweist sich damit als ein durch nichts begründetes Dogma.

Aber zurück zu Frau Wagner. Auf die Frage, ob bei Zärtlichkeiten eines Pädophilen gegenüber einem Kind schon eine Grenzüberschreitung vorliege, antwortet sie:

Ich wundere mich darüber, dass bei Pädophilen die Sexualität solch einen hohen Stellenwert hat. Weder heterosexuelle, noch homosexuelle Menschen empfinden bei jeder Berührung oder Annäherung eine sexuelle Erregung. Man kann Freunde umarmen, ohne eine sexuelle Regung zu haben. Pädophilen scheint das fremd zu sein.

…denn Pädophile sind triebgesteuerte Tiere. Oder was? Man kann der Frau ja zugute halten, dass Pädos in ihrem Forum geduldet werden und sie sich dort mit ihnen auseinandersetzt – aber was nützt das, wenn sie dann solche abstrusen Vorurteile hat? Dass Pädophile Umarmungen von Kindern genießen und auch von ihnen sexuell erregt werden können, liegt einfach daran, dass sie eben Kinder besonders mögen! Und ob Frau Wagner es glaubt oder nicht, sie können auch Kinder umarmen, ohne dass ihnen dabei einer abgeht.

Weiter antwortet sie, nunmehr Kindern jeden eigenen Willen absprechend:

Bei Kindern muss man auf keine sexuelle Botschaft achten. Sie ist nicht vorhanden.
Wenn ein Erwachsener die Geste des Kindes für sich sexuell missinterpretiert, ist die Grenze schon überschritten. Denn die Botschaft des Kindes ist eine andere.

Es ist interessant zu sehen, wie eine bürgerliche Kinderschützerin vorgeht: zunächst objektiviert sie Kinder zu geschlechtsneutralen Dingen, dann meint sie auch noch – was nur folgerichtig ist – bestimmen zu können, was sie wollen, was für Botschaften sie aussenden, was für Grenzen sie haben. Man könnte also sagen, Frau Wagner orientiert sich an dem Idealbild eines Kindes, das nur in ihrem Kopf, aber so nicht in der Realität existiert, und überträgt dieses dann auf die tatsächlichen Kinder. Eine Vorgehensweise, die für jemanden, der sich als Kinderschützer sieht, höchst fragwürdig ist.

Vielleicht sollte einfach mal nachgefragt oder untersucht werden, was Kinder so wollen – dann ginge den sog. Kinderschützern evtl. mal ein Licht auf.


3 Antworten auf “Kinder sind Damenslips?”


  1. 1 Dieter.Gieseking-K13online 07. August 2007 um 18:03 Uhr

    Anmerkungen K13online:

    Im Gegensatz zur überwiegende Mehrheit sogenannter „Kinderschützer/Vereine“ etc… war und ist Frau Wagner immer auch zu einem fairen Dialog mit Pädophilen bereit. Die Pädos werden in ihrem Forum nicht grundsätzlich diskriminiert oder allein wegen ihrer pädophilen Orientierung ausgeschlossen. Pädophile Benutzer haben dort die Möglichkeit, Ihre Meinungen zu äußern. Das ist in der heutigen Zeit bei einem Kinderschutz-Forum keine Selbstverständlichkeit. Für dieses faire Verhalten gebührt Ihr schon etwas Dank und vor allen Dingen Anerkennung und Akzeptanz.

    Natürlich sind die meisten Positionen von Wagner mit unseren in keiner Weise vereinbar. In den letzten 20 Jahren ihrer aktiven Tätigkeit hat sich ihre Meinung zum Thema der Pädophilie wohl unwiderruflich gefestig. Frühere Diskussionen mit Ihr im eigenen Troll-Forum oder bei Heise-Online usw.. haben kein Umdenken bewirken können. Vorwürfe gegen Wagner, Sie sei pro-pädophil eingestellt, sind daher vollkommen unsinnig. Sie bietet lediglich auch den Pädophilen eine Diskussions-Plattform an. Aber immer im Hinblick auf Prävention. Wagner leistet damit auch aus unserer Sicht einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Kinder vor tatsächlicher sexueller Gewalt im Sinne eines echten Kinderschutzes.

    Das Trollforum hat in den letzten Jahren eine umfangreiche Datenbank mit vielen Informationen zum gesamten Themenkomplex erarbeitet. Diese Datensammlung ist beispielhaft und wohl in dieser Form bisher einmalig. Interessierte Personen und Stellen können sich im Trollforum umfassend informieren. Auch K13online, wenn dort auch nicht mehr als Benutzer anwesend, nutzt diese Datenbank für Recherchezwecke. In den verschiedenen Unterforen bzw. Threads werden täglich aktuelle Nachrichten eingestellt. Wir wissen nur zu gut mit welchem Zeit- und Arbeitsaufwand diese Freizeitbeschäftigung verbunden ist. Trotz gegensätzlicher Positionen möchten wir hier an dieser Stelle unseren Dank aussprechen. Wir denken, dass dies auch für die sogenannte Gegenseite möglich sein muss. In diesem Sinne wünschen wir Frau Wagner und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg… !!!

  1. 1 Sex ist kein Kinderkram. Über die Ideologie von der “Kindheit” | Herbst in der Seele Pingback am 06. Januar 2008 um 16:58 Uhr
  2. 2 Vom “Informierten Einverständnis” der uninformierten Moralisten | Herbst in der Seele Pingback am 31. Januar 2008 um 13:43 Uhr
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