Archiv für März 2008

Barnens Ö

Kay Pollaks Film „Barnens Ö“ von 1980 ist ein Meisterwerk. Filmisch formvollendet und mit Hilfe eines großartigen Ensembles, allen voran der junge Tomas Fryk in der Hauptrolle, inszeniert Pollak hier den Übergang von der Kindheit in die Erwachsenenwelt mit einer Eindringlichkeit, die seither ihresgleichen sucht: Der 10jährige Reine empfindet sich und seine Kindheit als etwas reines, unschuldiges, und er spürt, dass dieser Zustand bald ein Ende haben wird, weshalb er den gefühlten letzten Sommer seines Lebens nicht im Sommercamp „Barnens Ö“, sondern allein in der Stadt verbingen möchte; die schmutzige Welt der Erwachsenen bricht ungefiltert über ihn herein und verändert ihn.

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Loving the sky


(source)

The sky will always be beautiful to us, and we will always say so. We will be always taken up by it, and lost in it’s wonders.


(pic taken from the wonderful but cruel movie „Ma vie en rose“, portraying the life of seven-year-old Ludovic desperately trying to make his dream come true: to be a girl.)

Kurzer Prozess mit der Pädophilie. Der Fall Peter K.

Der Fall ging bundesweit durch die Medien: In der Gemeinde Riekofen hat ein Pfarrer über Jahre hinweg einen seiner Ministranten im Sinne des Gesetzes sexuell missbraucht und wurde dafür jetzt zu drei Jahren Haft und zur Unterbringung in einer Psychiatrie verurteilt. Was man also sicher weiß: es gab sexuelle Kontakte zwischen dem Pfarrer und dem zu Beginn der Taten 11jährigen Jungen. Alles darüber hinaus ist Spekulation, an der ich mich nicht beteiligen möchte. Was ich aber möchte, ist, die verbale Steinigung des Mannes anhand des Artikels „Kurzer Prozess für den Kinderschänder-Pfarrer“ von Julia Jüttner bei Spiegel Online aufzeigen. Peter K. nämlich ist kein Mensch, er ist ein Pädophiler:

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Reaktionäre Sexualmoral bei „Monitor“

Die Journalistin Sonia Mikich ist moralisch empört, denn sie hat „eine neue Studie zum Porno-Konsum von Jugendlichen“ gelesen – und erbricht deshalb Worte:

Pornografie, stark sexualisierte Werbung, anzügliche Videoclips – sie sind überall, in den elektronischen Medien, im Internet. Die Welt ist voller suggestiver Bilder, sie sind jederzeit verfügbar. Schnell, billig, ohne die Scham, die früher gängig war. Es ist völlig normal, mit dem Handy den Geschlechtsverkehr anderer Leute mal kurz auf dem Weg zur Schule oder Arbeit anzugucken.

Schlimm sowas. Statt wie früher heimlich unter der Bettdecke oder nachts auf Sat1, wenn die Eltern schon im Bett waren, haben Jugendliche heutzutage tatsächlich jederzeit und überall Zugriff auf Darstellungen sexueller Art und – skandalös – geilen sich sogar daran auf. Aber dürfen die das? Nein:

Mit Lust an Sex, erotischer Spannung oder gar liebevollen Gefühlen hat das nichts mehr zu tun.

Sie sind verdorben, diese Jugendlichen, weil sie Sex konsumieren, geil finden und selber haben. Völlig normal, sagen Sie? Nicht für Frau Mikich, die „Sex“ und „Sex“ für zwei verschiedene Dinge hält. Aber sie weiß noch mehr, z.B. genauestens Bescheid darüber, was in den Herzen der Jugendlichen vorgeht, über die sie spricht:

Ist es wirklich souverän, völlig abzuschalten, wenn 13jährige Porno-Rap hören und mit Analverkehr angeben, bevor sie überhaupt Herzklopfen kriegen?

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Wenn Staatsfreunde hetzen

„Antifaschismus ist auch kein Verbrechen“, behauptet der Blogger „ignaz“ und zeigt dabei ein Banner, das suggeriert, es sei ein Verbrechen, wenn ein Mann, diesmal mit Hut, Hand in Hand mit einem Kind im Kleid spazieren geht. Skandal! Denn der Mann muss ja ein „Kinderficker“ sein, was sprachlich gewagte Forderungen wie „Safe the Children“ und „No Paedophile“ rechtfertigen soll.

Schlimm genug, dass bürgerliche Individuen wie dieser „Antifaschist“ sich Pädophilie, also die Neigung, sich in als „Kinder“ definierte Menschen zu verlieben, und Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern nur als wüste Fickerei gegen den Willen des Kindes vorstellen können (was der Begriff „Kinderficker“ offensichtlich nahelegt), hinzu kommt noch der Ruf nach dem starken Staat, der doch endlich mal die Richtigen bestrafen solle und nicht immer nur die guten Antifas, die sich ja so herzallerliebst um ihn sorgen, dass sie ihn rein von Neonazis halten wollen – ganz so wie Otto Normalbürger eben, der ja auch sein friedliches Deutschland will, ohne Störenfriede von außen oder innen, seien sie braun im Geiste (NPD!) oder braun im Gesicht (Islamisierung!). Eine Kritik an Staat und Nation haben diese Leute nicht und wollen sie auch gar nicht haben; Hauptsache, ihr „tolerantes“ und „weltoffenes“ Deutschland bleibt schön demokratisch.

Und Erwachsene weg von Kindern, denn das geht ja gar nicht, dass der deutsche Volkskörper auch noch von solchen Perversen beschmutzt wird, die es allen Ernstes wagen, das Heiligtum des Volkes, das Heilige Kind, als vollwertigen Menschen anzunehmen und gar eine Beziehung mit ihm aufbauen zu wollen, die über die üblichen pädagogischen Zurichtungs- und Fürsorgezwecke hinausgeht. Da soll der Staat mit seinm Gewaltmonopol, das das ganze völkische Ungetüm beisammen hält, doch bitte ganz besonders hart durchgreifen – auf dass Zwangskonstruktionen wie Kindheit, Volk und Nation fröhlich weiter bestehen bleiben.

Mensch, Marx!

Ich habe es immer gewusst: „Sobald [Marx] auf Kinder traf, streifte er, der strenge Analytiker, seine Gelehrtenattitüde ab, alberte und tollte herum.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! :D

Perverse Selbstbestimmung

Der Blogger Crull verweist auf einen Bericht bei Spiegel-Online über ein Geschwisterpaar, das vier Kinder miteinander hat, und stellt fest:

Dem Paar wünschen wir viel Glück und einen möglichst schnellen Freispruch, denn Gesellschaft & Staat haben in der willentlichen Sexualität ganz gleich welcher Art, ganz gleich welcher Menschen nichts, absolut nichts verloren.

Dem schließe ich mich selbstverständlich an. Eigentlicher Grund aber für diesen Blogeintrag ist ein geradezu irrwitziges Zitat aus dem Artikel, das mir besonders ins Auge gesprungen ist: Anschließend an die richtige Feststellung, dass das Verbot einvernehmlichen Inzests unter Erwachsenen nur durch den „Schutz eines Tabus“ begründet ist, meint Dietmar Hipp, Verfasser des Textes:

Die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen ist bereits durch andere Normen geschützt – unabhängig von etwaiger Verwandtschaft. Beim Inzest zwischen selbstbestimmten Partnern dagegen gibt es kein Opfer, das man vor einem Täter schützen muss (…).

Ach, so ist das. Da stellt sich vernünftigen Menschen doch die Frage: Wie kann etwas geschützt werden (noch dazu durch „Normen“), das es überhaupt nicht gibt? Denn im ersten Satz des Zitats heißt es, „sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen“ sei „geschützt“, also existent, möglich, wichtig; und im zweiten Satz wird dann „dagegen“ (!) behauptet, es gebe nur dann „kein Opfer“, wenn der Sex „zwischen selbstbestimmten Partnern“, ergo: zwischen Erwachsenen, stattfindet.

So funktioniert gesetzlicher „Kinderschutz“: „sexuelle Selbstbestimmung“ wird nur dann gestattet, wenn kein Sex stattfindet – alles andere, etwa ein eigener Wunsch nach Sexualität, macht das Kind und den Jugendlichen zum „Opfer“. Was ist das eigentlich für eine „Selbstbestimmung“, die keine Selbstbestimmung zulässt? Es ist eine perverse, denn „pervers“ kommt von lat. perversio, „die Verdrehung, die Umkehrung“; und sehr viel verdrehter geht es ja nun nicht mehr.

Update

Ich habe den Infotext über dieses Blog komplett neu geschrieben und möchte zudem darauf hinweisen, dass sich in der Linkliste da rechts an der Seite gelegentlich was tut.

Was ist zu tun?

Was muss geschehen, was getan werden, um die pädophile Emanzipation voranzutreiben? Ein guter Ansatz, kompakt zusammengefasst, findet sich hier.

Samtschwarze Sterne

kleine kinder kuscheln unter samtschwarzen sternen
und wenn du in ihre augen schaust, samtschwarze sterne
entbinde sie von dem buch, den lettern und dem wort
und laß sie die stille lesen, gebettet in samtschwarze sterne
laß sie die regentropfen jagen unter samtschwarzen sternen
laß sie dem geflüster folgen und die nacht verscheuchen
laß sie küssen den federatem samtschwarzer sterne
und laß sie ihre pferdchen reiten, besiegt vom wind und vom schnee
und tippeln in das zwielicht, in das wir alle einst eingehen
umsorgt von ranken und ohne jede angst
ihr antlitz glänzend im goldenen fluß, gewaschen von samtschwarzen sternen
und engelsflügel lindern ihren kummer
und alle vögel singen am morgen
gesegnet und von freude benetzt
eines tages: du und ich
unter einem nachthimmel voller samtschwarzer sterne

.

(Meine Übersetzung dieses wunderbaren Liedes von David Tibet; Ausdruck des naiven Wunsches nach Unschuld, Reinheit im Menschen, der noch nicht von dieser Welt zum Krüppel geschlagen wurde? Projektion der Sehnsucht nach Frieden auf sehr junge Menschen, die noch unbeschwert lachen können? Ist das aber nicht genau das, was es zu kritisieren gilt: das Zurückstellen des kindlichen Individuums zugunsten einer romantischen Vorstellung davon? Kann man überhaupt von „kindlicher Unschuld“ sprechen, wenn der „Ernst des Lebens“, die Zurichtung auf die Gesellschaft, in der wir leben, doch schon mit sechs Jahren beginnt? Es ist falsch, Kinder und Kindheit zu idealisieren. Vielleicht ist es die utopische Sehnsucht nach einem liebevollen Leben außerhalb dieser Verhältnisse, die mich an diesem Lied so besonders bewegt…)