Perverse Selbstbestimmung

Der Blogger Crull verweist auf einen Bericht bei Spiegel-Online über ein Geschwisterpaar, das vier Kinder miteinander hat, und stellt fest:

Dem Paar wünschen wir viel Glück und einen möglichst schnellen Freispruch, denn Gesellschaft & Staat haben in der willentlichen Sexualität ganz gleich welcher Art, ganz gleich welcher Menschen nichts, absolut nichts verloren.

Dem schließe ich mich selbstverständlich an. Eigentlicher Grund aber für diesen Blogeintrag ist ein geradezu irrwitziges Zitat aus dem Artikel, das mir besonders ins Auge gesprungen ist: Anschließend an die richtige Feststellung, dass das Verbot einvernehmlichen Inzests unter Erwachsenen nur durch den „Schutz eines Tabus“ begründet ist, meint Dietmar Hipp, Verfasser des Textes:

Die sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen ist bereits durch andere Normen geschützt – unabhängig von etwaiger Verwandtschaft. Beim Inzest zwischen selbstbestimmten Partnern dagegen gibt es kein Opfer, das man vor einem Täter schützen muss (…).

Ach, so ist das. Da stellt sich vernünftigen Menschen doch die Frage: Wie kann etwas geschützt werden (noch dazu durch „Normen“), das es überhaupt nicht gibt? Denn im ersten Satz des Zitats heißt es, „sexuelle Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen“ sei „geschützt“, also existent, möglich, wichtig; und im zweiten Satz wird dann „dagegen“ (!) behauptet, es gebe nur dann „kein Opfer“, wenn der Sex „zwischen selbstbestimmten Partnern“, ergo: zwischen Erwachsenen, stattfindet.

So funktioniert gesetzlicher „Kinderschutz“: „sexuelle Selbstbestimmung“ wird nur dann gestattet, wenn kein Sex stattfindet – alles andere, etwa ein eigener Wunsch nach Sexualität, macht das Kind und den Jugendlichen zum „Opfer“. Was ist das eigentlich für eine „Selbstbestimmung“, die keine Selbstbestimmung zulässt? Es ist eine perverse, denn „pervers“ kommt von lat. perversio, „die Verdrehung, die Umkehrung“; und sehr viel verdrehter geht es ja nun nicht mehr.


1 Antwort auf “Perverse Selbstbestimmung”


  1. 1 Hände unter die Decke! Über das sexuell verwahrloste Bürgertum und seine Kinder « Herbst in der Seele Pingback am 12. November 2008 um 16:09 Uhr
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