Der Vater und die arme Sau. Über „Guter Junge“

Eins vorweg: „Guter Junge“ von Karl-Heinz Käfer (Buch) und Thorsten C. Fischer (Regie) ist ein guter Film. Er ist handwerklich sauber inszeniert, von brillanten Schauspielerinnen und Schauspielern getragen und vermag mit seiner dichten Atmosphäre von vorne bis hinten den Zuschauer zu fesseln. Es ist aber kein normaler Film; es ist ein Film über „das Unfassbare“, „das Unerträgliche“, nämlich: Pädophilie.

Interessant ist es zu beobachten, wo der Trend der Fernsehfilme über Pädophilie hingeht: nach dem Polizeiruf 110 „Gefährliches Vertrauen“, der Bloch-Episode „Der Kinderfreund“ bis hin zum WDR-Tatort „Verdammt“ zeigen sie allesamt Menschen (und keine Monster – das an sich ist schon bemerkenswert), die an ihrer pädophilen Neigung leiden und dadurch in kaum lösbare Konflikte geraten, die aber auch mit therapeutischer Hilfe durchaus lernen können, mit ihrer „psychosexuellen Störung“ zu leben. Das ist der breiten Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Charité mit ihrem Präventivprojekt „Kein Täter werden“ geschuldet, das Pädophilie als nicht heilbar, aber therapierbar beschreibt und davon ausgeht, dass „diese Leute“ allesamt einer Therapie bedürfen, um nicht straffällig zu werden: nur ein therapierter Pädophiler ist ein guter Pädophiler lautet das Motto, und so ist es auch kein Wunder, dass der Pädophile in „Guter Junge“, der 17jährige Sven, am Ende im Knast landet, denn sein Vater und er haben sich einer Therapie verweigert.

Dass Sven im Knast und nicht etwa auf dem Friedhof – selbst gerichtet, in einer dramatischen Endsequenz mit dissonanter Musik und Knarre am Schädel – landet, ist folgerichtig und zeigt schon die Klasse dieses Films: von Anfang an wird Sven nämlich porträtiert als ein labiler Charakter, der ein Opfer der Umstände ist, in denen er lebt: nach dem Tod seiner Mutter muss er zu seinem Vater ziehen. Dieser akzeptiert die Neigung seines Sohnes zunächst nicht, schlägt ihn und will ihn „umdrehen“, auch durch einen Zeitungsartikel wird Sven konfrontiert mit der Anti-Pädo-Propaganda seiner Umwelt; er wird von vorne bis hinten nicht eine einzige Sekunde lang darin bestärkt, wie er fühlt, sondern es wird ihm stets nur eins vermittelt: seine Gefühle für Jungen sind falsch, krank, gefährlich, und sie richten unbedingt Schaden an. Dieses Unwerturteil der Gesellschaft über seine eigene Person übernimmt Sven, da er keinen Gegenpol etwa durch eine Selbsthilfegruppe oder Kontakte im Internet hat, für sich völlig, so sehr, dass er seinen Vater sogar bittet, ihn einzuschließen, denn trotz der Einsicht in die Krankhaftigkeit seiner Gefühle kann er nicht anders als sie zu empfinden. Depression, Angst, Isolation sind die Folge.

Aber warum? Was macht Sven eigentlich Schlimmes? Auch das wird dargestellt, und hier zeigt sich die besondere Klasse dieses Films: Sven nämlich hat einen kleinen Freund. Der heißt Patrick, ist etwa 12 Jahre alt und sein Nachhilfeschüler und findet Sven klasse. Wir erfahren, dass Sven Patrick nicht nur in Deutsch Nachhilfe gibt, sondern auch in puncto Sexualität: mit einer (sicherlich fragwürdigen) Masche als „Casting-Agent“ bringt Sven Patrick dazu, sich vor der Kamera bis auf die Unterhose auszuziehen, lasziv zu tanzen und eindeutige Gesten in Richtung Sven zu machen – ob es zu mehr kommt, wird dahingestellt. Sicher ist aber: Patrick macht gerne mit bei dem Spiel. Dafür gibt es zwei eindeutige Hinweise: zum Einen sehen und hören wir die Videoaufnahmen selber, auf denen Patrick offensichtlich Spaß an der Sache hat, und zum anderen zeigt Patrick nach dem dergestalt geschehenen „sexuellen Missbrauch“ keinerlei Anzeichen für eine Schädigung: er ist fröhlich, aufgeschlossen, er geht mit Sven ins Kino, ja, er will sogar bei ihm übernachten (was Sven allerdings zur großen Enttäuschung Patricks ablehnt, weil er das Unwerturteil der Gesellschaft bereits übernommen hat) und – was wirklich sehr erstaunlich ist – er besucht Sven, nachdem seine Mutter ihn gezwungen hat, den „Missbrauch“ Svens Vater zu erzählen, und möchte ihn verführen. Ja, die beiden feiern sogar heimlich gemeinsam Abschied, als Patricks Mutter sich entschließt, aus Angst vor Sven mit ihrem Sohn die Stadt zu verlassen. Sieht so eine auf Nötigung, Manipulation, Zwang und Gewalt basierende Beziehung aus? Ist da irgendwo ein Schaden erkennbar? Ja, es ist: wir sehen Patrick einmal weinen, und zwar in dem Moment, in dem er im Büro von Svens Vater von seiner Mutter genötigt (!) wird, von den Intimitäten zwischen ihm und seinem größeren Freund zu erzählen. Erst in diesem Moment entsteht ein Schaden, und der ist eindeutig nicht durch die Intimitäten an sich bedingt, sondern durch den Umgang der Gesellschaft damit. Geradezu absurd hierbei ist übrigens, wie die ARD auf ihrer Internetseite das dazugehörige Bild unterschreibt: „Patrick erzählt seiner Mutter, was Sven mit ihm gemacht hat.“ Das ist schlicht falsch. Wir sehen überhaupt nicht, wie die Mutter das herausfindet, wir sehen nur, wie sie ihren Sohn dazu zwingt, davon zu erzählen. Und diese Mutter ist es dann auch – so meine Interpretation –, die Sven bei der Polizei anzeigt, denn das hatte sie vorher schon angedroht, und Sven und Patrick haben ja sich ihre Liebe nicht verbieten lassen.

Aber ist das überhaupt Liebe? Das Motiv der Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte: anfangs, als alles noch nach heiler Welt aussieht, zitiert Svens Vater den schönen Satz: „Welche Glück geliebt zu werden und zu lieben welch Glück“. Und auf einer Grillparty ruft die betrunkene Gastgeberin aus: „Jeder soll nach seiner Facon glücklich werden!“ Der Kontrapunkt folgt auf dem Fuße: nachdem Svens Vater von der Neigung seines Sohnes erfahren hat, weist er ihn zurecht: „Das ist keine Liebe, das ist Missbrauch!“ sagt er, nachdem Sven meint, er habe nie etwas getan, was seine Jungs nicht auch wollten, denn wer jemanden liebt, tue ihm nicht weh. Und nachdem sein Vater ihn bittet ihm diese Liebe zu erklären, zeigt er ihm ein Bild eines Jungen in einem Versandhauskatalog und beginnt von ihm zu schwärmen, dass er ihn küssen möchte und umarmen. Wieder schroffe Ablehnung des Vaters, dramaturgisch korrekt, aber leider steht diese einer detaillierten Beschreibung des Begehrens, das Sven empfindet, im Wege: es wäre interessant gewesen noch mehr über seine Motivationen Jungen gegenüber zu erfahren, noch mehr darüber, dass es tatsächlich Verliebtsein und Liebe ist, die er empfindet und nicht bloß ein stumpfer Triebdruck. Wie wir an der Beziehung zu Patrick gesehen haben, ist eine solche Liebe ja möglich; Sven weiß das nur nicht, weil er letztlich seiner Umwelt glaubt, bzw. er muss unter der schroffen Ablehnung anderen leiden für ein völlig unschuldiges Gefühl: das des Verliebtseins. Und so ist es auch kein Wunder, dass er am Ende des Films, als Patrick ihm genommen wurde, beginnt, wieder mit der Kamera „auf die Jagd“ zu gehen und jetzt auch dringlichere Mittel anzuwenden, um den Jungen, den er findet, zu sexuellen Kontakten zu bewegen. Denn er hat nichts mehr zu verlieren, alle sagen, seine Gefühle seien falsch, er solle sie unterdrücken, und wer Gefühle unterdrückt, der lässt sie in schadhaftes verwandeln. Der Junge am Ende wehrt sich (siehe da, Kinder können sich durchaus auch wehren, sie sind nicht per se das unmündige Opfer), wobei wir nicht wissen, wogegen genau, jedenfalls rennt er weg, und die Polizei kommt – vermutlich auf Anzeige der Mutter von Patrick –, um Sven zu verhaften. Es ist bemerkenswert: Sven hat nicht ein einziges Mal wirklich einen Schaden ausschließlich durch seine Neigung verursacht; jeder Schaden, der entsteht, ist erst im Zusammenspiel mit Justiz, Moral und öffentlicher Meinung entstanden: die Tränen Patricks während seines „Geständnisses“, der Übergriff am Ende, der abschließende Knastaufenthalt, die Schläge des Vaters.

Sowieso der Vater: eine interessante Figur. Hin- und hergerissen zwischen dem Hass auf Pädophile und der Liebe zu dem eigenen Sohn lässt er nichts unversucht, sowohl eine Vater-Sohn-Beziehung aufzubauen als auch seinen Sohn von seiner Neigung zu „heilen“. Wenn dies zwangsläufig scheitert, flüchtet er sich: in den Suff, in Aggressionen gegen einen Unbeteiligten, der vom Mob der Kinderschändung verdächtigt wird, aber vor allem in schnellen, lieblosen Sex, zunächst mit einer Prostituierten im Auto, dann mit seiner Lebensgefährtin im Hotel, ein Akt, der mehr an einen Toilettengang als an liebevolle Sexualität zwischen Menschen erinnert. Man kann nur spekulieren, ob Autor und Regisseur diese negative Darstellung von Heterosexualität bewusst als Gegenpol zur kriminalisierten, aber liebevollen Pädophilie setzen wollten, aber man kann es so lesen. Erst recht wird die Verlogenheit der heterosexuellen Erwachsensexualität deutlich in der Nebenfigur des Arbeitskollegen des Vaters: dieser führt ein Bilderbuchfamilienleben mit Frau und zwei Kindern, hat aber eindeutig homosexuelle Gelüste, was ihn nicht daran hindert, Homosexualität als „unnatürlich“ und „nicht gottgewollt“ zu betrachten und „Kinderfickern“ die Eier abschneiden zu wollen, wenn sie seinen Sohn auch nur ansehen – etwas, was lustigerweise bereits geschehen ist: sein Sohn hat mit Sven Fußball gespielt und Platten gehört, u.a. eine Knabenchor-CD, die Lieblingsplatte (!) seines homophoben Vaters. Es sind solche kleine Zwischentöne, die den Film noch interessanter machen.

Ist „Guter Junge“ also ein Film, der Stellung bezieht für einvernehmliche Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern? Sicher nicht. In keiner Sekunde werden die Gesetze hinterfragt, die diese Art von Beziehungen kriminalisieren, und der „Ausweg“ „Therapie“ wird glorifiziert dadurch, dass Sven am Ende im Gefängnis landet, weil er – so die vermutliche eher klassische Lesart unbedarfter Zuschauer – es abgelehnt hat, sich per Therapie einen „vernünftigen“ Umgang mit seiner Neigung (also Totalabstinenz) eintrichtern zu lassen. Die Botschaft ist klar: wäre er bei Dr. Beier in der Charité gelandet, das Drama hätte so nicht stattfinden müssen. Das ist vielleicht sogar richtig – es hätte ein anderes Drama gegeben. Aber: wären die Gesetze, die herrschende Moral und das traditionelle Familienbild nicht so wie sie es nun einmal sind, das Drama hätte ebenfalls nicht stattfinden müssen, und Sven hätte sein Leben in Freiheit und mit Patrick die glückliche Freundschaft weiterführen können. Und sie hätte nicht den Ruch des Verbotenen gehabt, und wer weiß, vermutlich hätte Sven dann auch nicht diese dämliche Masche mit der Videokamera angewandt, die ich übrigens tatsächlich für verkehrt halte, weil sie den betroffenen Jungen etwas vorspielt, was sie nicht ist, mit dem Ziel, sie zu sexuellen Handlungen zu bewegen. Aber ob solche manipulativen „Verführungstricks“ in einer Welt, die Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern nicht sanktioniert, noch vorkämen? Ich bezweifle es. In einer solchen Welt gäbe es Aufklärungsbroschüren für pädophile Teenager, die ihnen sagen, dass sie kein Abschaum sind und durchaus ein glückliches Leben führen können, auch mit Jungs, solange sie – eine Selbstverständlichkeit eigentlich – ihnen nicht wehtun.

Leider ist es bis dahin noch ein langer Weg, wie auch die zahlreichen Medienreaktionen oder Äußerungen wie die von dem Darsteller des Vaters, Klaus J. Behrendt, zeigen, der die pädophile Liebe trotz allem immer noch für „was Schmerzhaftes, Zerstörendes“ hält, obwohl er gerade in einem Film mitgespielt hat, der eine solche Liebe für sich genommen als positiv darstellt. Die Mehrheitsmeinung sitzt zu fest, das Paradigma von der krankhaften Störung ist hartnäckig in den Köpfen, und sowieso werden die meisten deutschsprachigen Fernsehzuschauer gestern eher Fußball geguckt haben. Und dennoch: Filme wie „Guter Junge“ sind durchaus ein Anfang und sollten als solcher wohlwollend betrachtet werden.


13 Antworten auf “Der Vater und die arme Sau. Über „Guter Junge“”


  1. 1 mignon 10. April 2008 um 21:56 Uhr

    Hier meine Antwort: https://www.jungsforum.net/politik/messages/155579.htm

    Gruß vom
    mignon

  2. 2 Anonym 06. Mai 2008 um 23:35 Uhr

    Hallo,

    sehr schönes Blog und ein sehr, sehr schöner Eintrag/Beitrag zum Thema.
    Finde, du hast dich super zum Film geäußert. Werde den Film auf jeden Fall noch schauen (habe die Aufnahme noch rumliegen, kam noch nicht dazu).

    Mach weiter so!

  3. 3 dread 18. Mai 2008 um 19:03 Uhr

    Hey!

    Hab mir den Film eben angesehen..
    Wirklich sehr gut gemacht. Fast schon zu gut.

    Ich sehe darin viel zuviel von meinem Leben.

    Danke für den Filmtipp.

    MfG

  4. 4 Caro 27. Juni 2008 um 0:26 Uhr

    Hallo [editiert – Admin], du hast den Film „guter Junge“ auf DVD oder Video? Ich würde den Film gern sehen, da ich meine Diplomarbeit über dieses Thema schreibe. Meine Suche nach dem Film war bis jetzt ziemlich vergeblich. Vielleicht kannst du mir ja weiterhelfen.
    MfG

  5. 5 tee 27. Juni 2008 um 0:58 Uhr

    wenn du die möglichkeit hast per torrent zu ziehen … nimm das:
    http://bitreactor.to/torrent/777309-filme-divx-xvid-guter-junge

  6. 6 Caro 28. Juni 2008 um 14:13 Uhr

    Danke schön für die schnelle Antwort! Ich habe es probiert, aber funktioniert nicht. Kann nicht geöffnet werden. Irgendwelche andere Ideen??
    Kann man denn [editiert – Admin] irgendwie (über irgendjemanden) kontaktieren?

    Danke!!!

  7. 7 Anonym 16. Dezember 2008 um 20:56 Uhr

    Bin Trainer, Jugendleiter, angehender Lehrer (männlich), nicht nur daher ist alles auch absolut ein relevantes Thema für mich. Der Film war SEHR interessant und fesselnd, spiegelt glaube ich recht gut die Einschätzung und das Urteil dem Gro der Gesellschaft wieder! Dieser Blog hingegen entspricht zu 100% meiner Auslegung. Kenne viele Situationen, in denen man als Pädagoge, Lehrer, Kinder nah an sich heranlässt (emotional) aber gerade darin liegt meiner Meinung nach die Stärke. Sobald aber wie auch im Film, jemand Außenstehendes urteilt, kann immens viel zerstört werden! Respekt für den obigen Text! Weiter so!

  8. 8 ChriSy 26. Dezember 2008 um 17:21 Uhr

    Ich habe diesen Film auch gesehen. Und meiner Meinung nach war er grundsätzlich ein reales Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der „störende“ Fakt an dem Film war am meisten, dass der „Täter“ selbst noch mit 17 minderjährig ist. Somit wurde eher die Problematik dargestellt, die sich Jugendlichen ergeben können, wenn sie Beziehungen miteinander pflegen und die Altersdifferenz oder besser das Alter des Jüngeren an einer gesetzlichen Grenze liegt. Ginge es in dem Film um eine Beziehung zwischen eineM 17 jährigen und eineR 12/13 jährigen, wäre es eher ein Soap geworden. So spielt also für die „Dramaturgie“ eher die Homophobie eine Rolle.
    Hätten die Drehbuchautoren den Täter wenigstens älter als 18 – vllt. schon Mitte 20 – gemacht, wäre das Thema besser getroffen worden.
    Dennoch wird auch – wenn nicht direkt – aber dennoch deutlich gezeigt, dass Kinder leichter beeinflussbar sind, ob nun durch die Eltern oder den Menschen, der mit ihnen „was anfangen will“.

  9. 9 AnonymUndso 28. Mai 2010 um 11:18 Uhr

    habe den film selber jetzt nicht gesehn, aber zum thema kindesmissbrauch sind 2 Fragestellungen von bedeutung:

    a) die einwilligung des gegenübers

    b) sich daraus ergebend nunmal die „Einwilligungs-fähigkeit“ des gegenübers.

    während punkt a) bei allen sexualdelikten recht gut zu klären ist, ist punkt b) bei kindern DER entscheidende punkt.

    sicherlich ist eine freie gesellschaft erstrebenswert, aber sicher keine willkührliche. bei kindern und jugendlichen ist einfach das problem der geistigen unterlegenheit (damit meine ich nicht den intellekt, sondern erfahrung bzw naivität) immanent, dh eine „freie entscheidung“ oder „einwilligung“ ist nur SEHR schwer nachzuvollziehen bzw zu begründen, vorallem dann, wenn wir kindern und Jugentlichen widerum erst ab 16 die fähigkeit des verantwortungsvollen alkoholkonsums zugestehn.

    die altersgrenzen müssen, und werden eigentlich im einzelfall schon sehr genau betrachtet, und eben, die einwilligungsfähigkeit des gegenübers/opfers.

    einem unter 12 jährigigen ist sowas generell kaum zugestehbar, und bei allem darüber bis 16 ist es eine einzelfall entscheidung.

    dennoch denke ich SEX mit Kindern ist durchaus fraglich, erst recht bei beispielen wie „ein 70jähriger mit einem 12 jährigen“

    wenn kinder ihre sexualität entdecken ist das einfach was anderes, als wenn sie sie DURCH einen 70jährigen erfahren oder jemand (wesentlich) älteren.

    ein weiteres problem ist zu punkt b) die ausübung von macht, grade z.B. als lehrer hat man macht, und viele menschen die macht haben, sind sehr geschickt darin, diese macht zu demonstrieren um so das verhalten des gegenüber zu steuern, zb könnte ein 12 jähriger sich gegen annäherungen seines lehrers nicht wehren (dies wird dann als „einwilligung“ gewertet) weil er um seine noten bangt (für uns unvorstellbar, aber in der realität eines kindes durchaus real). gleiches gilt für das phänomen kirche, wo ein starker moralischer druck ausgeübt wird, ergo auch nur macht.

    mag sein, dass so mancher das gefühl hat, sein 12 jähriges gegenüber findet das total toll, muss aber garnicht sein, vllt ist das gegenüber auch überfordert, oder von anfänglicher neugier überwältigt, sowas als erwachsener mit ein wenig sinn für, ich sag mal „fairness“ auszunutzen ist einfach .. unfair, und zeigt leider nur all zu oft, das menschliche sexuelle anziehung oft einhergeht mit machtausübung und besitz-ähnlichen ansprüchen, die an kindern leichter zu vollziehen und zu halten sind, als an erwachsenen.

    ich möchte an der stelle nochmal drauf hinweisen, das ich mich hier immernoch auf punkt b) der „einwilligungs-fähigkeit“ des kindes beziehe, wo einfach rechtsstaatlich eine grenze gesetzt wird, ab wann das kind eine gewisse lebens und selbst-erfahrung und bildung hat, sodass es tatsächlich eine „freie entscheidung“ treffen kann, die dann vermuten lässt, es handele sich nicht um kindesmissbrauch.

    im prinzip drängt sich an dem punkt, wo nun oft der wortstamm „Wille“ gefallen ist, die frage auf, was Wille überhaupt ist, in jedem fall ist der (freie) Wille selbst noch eng verbunden mit macht, wenn jemand macht auf mich ausübt, in dem fall der erwachsene(rere) bin ich sehr schnell Willens, oder „zu Willen“, in gewisser hinsicht vllt sogar „willig“(?) was aber nicht zu verwechseln ist, mit einer freien Entscheidung, sofern es diese überhaupt gibt.
    Bevor „ihr“ also so einfach argumentiert, das kinder das „gern haben“ oder „wollen“ müsste man schauen, ab wann und OB das der fall sein kann.

    Der schutz von Kindern gegenüber fremden ist interessanterweise mindestens genauso natürlich wie Sex. Man kann also dem Staat oder der Familie auch dieses Recht nicht einfach absprechen.

    das Thema pornografie ist widerum anders, seiten die pornos mit minderjährigen zeigen werden zu recht gebannt, weil eine einwirkung von macht und gewalt oft nicht auszuschliessen ist.
    Gesondert betrachtet werden müssten sachen wie zeichnungen, da dadurch in der tat niemand zu schaden kommt.

    der einzige punkt in dem man kritisieren kann ist nur, das wir darauf tendieren bereits das „böse denken“ so zu bestrafen, als sei eine tat erfolgt. dies ist aufs schärfste zu verurteilen.

  10. 10 Mischa SV-Triebes 01. April 2011 um 12:13 Uhr

    ……wann und auf welchem Sender wird er wieder ausgestrahlt? Ich habe ihn auf 3Sat nur bis zum Beginn Knastszene aufgenommen. Wer kann helfen.
    Vielen Dank

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