Archiv für August 2008

Pädos sind „100-Kilo-Banger“? Zur Diskussion bei „HHP“

Bei „Hip-Hop-Partisan“, einem Forum für linke Hip Hopper, wurde in einem Thread als Reaktion auf einen Link zum „Fall Michelle“, der gerade die deutschen Gemüter erregt, ein Link zu diesem Blog gepostet, für diejenigen, die sich – quasi „aus erster Hand“ – mal über Pädophilie informieren möchten. So weit, so gut. Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ich möchte hier kurz exemplarisch auf einige kritikable Äußerungen eingehen.

Da ist zunächst ein gewisser „xLaGrandex“, der nach fünf Sekunden auf diesem Blog allein durch das Lesen der absolut wertfreien Überschrift „Angstfrei und selbstbestimmt? Gedanken zu Manipulation und Kinderschutz“ zu einem negativen Urteil über mich kommt. Das ist erstmal dumm. Nach einigem Nachfragen lässt er sich dann aber doch herab, den anderen Usern seine Gedanken mitzuteilen:

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Stefan Niggemeier über die tote Michelle, die Neonazis – und RTL.

Missbrauchsfall in Berlin

Als Reaktion auf den aktuellen Missbrauchsfall in Berlin (siehe hier und hier) hat ein heute 52jähriger, der als Junge eine glückliche Beziehung mit einem Mann hatte, einen Leserbrief an die BZ geschrieben, der im JuFo nachgelesen werden kann, inkl. Diskussion darüber.

Angstfrei und selbstbestimmt? Gedanken zu Manipulation und Kinderschutz

Dass Kinder unmündige Wesen sind, die man vor allerlei Bösem, z.B. der Sexualität, schützen muss; dass sie nicht in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, außerdem extrem beeinflussbar und leicht zu manipulieren, darüber herrscht bei sog. Kinderschützern bekanntermaßen Konsens. Dass sie trotzdem schon in der Grundschule das selbstbestimmte Lernen ausüben sollen; dass es ein Gesetz gibt, das ihnen unter der Überschrift „Schutz der sexuellen Selbstbestimmung“ Sexualität mit anderen verbietet: auch das ist bekannt. Der Widerspruch stört dabei nicht. Kinder sollen angstfrei und selbstbestimmt aufwachsen, damit sie irgendwann einmal selbst bestimmen, mündige Bürger einer funktionierenden Demokratie sein zu wollen.

Insbesondere die Vorgabe, Kinder auf dem Feld der Sexualität in Ruhe zu lassen, damit sie ja nicht manipuliert werden in ihrer sexuellen Selbstbestimmung, gilt als heilig. Sexualität könnte ihnen, wie allen anderen Menschen auch, Angst machen, sie verstören oder überfordern, und das ist – da sind wir uns alle einig – schlecht. Manipulation, die, im Falle der Sexualität, darauf hinausläuft, dass Menschen Dinge tun, die ihre subjektiven körperlichen und psychischen Grenzen überschreiten, ist abzulehnen. Aber auch diejenige Manipulation, die durch andere Faktoren, z.B. die plötzliche Stigmatisierung eigentlich als schön empfundener Dinge, negative Gefühle wie Angst, Ekel, Scham, hervorruft, ist Mist. Eine Frage stellt sich aber erstmal: Sind Kinder wirklich so leicht zu manipulieren?

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Pädophiler: „Ich bekomme Morddrohungen.“

Interview mit dem als Pädophiler zwangsgeouteten Martin Joos. Siehe auch hier.

Les amitiés particulières

Auf youtube kann man den Filmklassiker „Les amitiés particulières“ über die Liebe zwischen einem 17- und einem 12jährigen anschauen. Leider in 18 Teile zerstückelt, aber dafür mit englischen Untertiteln.

Hetzkampagne in der Schweiz

Die katholische Kirche St. Johann in Murg (CH) beschäftigt einen „bekennenden Pädophilen“, wie das Schweizer Hetzblatt „Blick“ schreibt. Das Spannende: es stimmt. „Martin J.“ bezeichnet sich selbst auf seiner zwar unsäglich gestalteten, aber lesenswerten Homepage als pädophil und schreibt dort u.a. gegen Vorverurteilungen wie sie von Blättern wie dem „Blick“ immer wieder vorgetragen werden, an. Und sein Chef weiß davon und steht hinter ihm – noch.

Denn in „Blick“ darf eine Sabine Rüthmann, Informa­tionsbeauftragte des Bistums St. Gallen, dann quasi als Schlusswort vortragen, dass Menschen mit pädophilen Neigungen „therapeutische und seelsorgerische (sic!) Begleitung“ benötigten, und zwar „unabhängig ­davon, ob sie sich pädophiler Straftaten (sic!) schuldig gemacht haben oder nicht.“

Stimmt leider, Frau Rüthmann: aber nicht deshalb, weil Pädophilie aus sich heraus etwas so schreckliches wäre wie Sie das gerne hätten, sondern allein deshalb, weil diese Menschen von Leuten wie Ihnen ständig pathologisiert, kriminalisiert und dämonisiert werden. Man kann nur hoffen, dass es in diesem Fall aufgrund der nun wohl beginnenden Hetzkampagne des „Blick“ nicht dazu kommt, dass „Martin J.“ seinen Arbeitsplatz verliert. Wahrscheinlich ist es aber, und dann wird Frau Rüthmann mit ihrer christlichen Nächstenliebe sicherlich nicht müde werden, dem Mann, dessen Existenz sie mit zerstört hat, „therapeutische und seelsorgerische Begleitung“ zu gewähren. Ihn wird es freuen!

Edit vom 14.08.2008: Nun ist es soweit, J. „kann nicht mehr“, wie kath.ch schreibt. Ich verlinke hier seine finale Stellungnahme samt Rücktrittsgesuch und die entsprechende Meldung inkl. weiterführender Links auf kath.ch. Weiterhin verlinke ich ein Interview mit J., in dem er davon redet, Morddrohungen zu erhalten und seine Existenz in Murg aufgeben zu müssen.
Nachtrag vom 15.08.: Nun ist auch ein Strafverfahren gegen J. eingeleitet worden, wie „Blick“ schreibt. Frau Rüthmann und ihre Christenfreunde können an die Arbeit gehen…

The ’59 Sound

The Gaslight Anthem "The '59 Sound"

The Gaslight Anthem

Krch

Ja kapierst du das nicht, fragt Lorenz und wirft den Putzlappen nach ihm: die eigene Schwester erwürgt die eigenen Brüder, die Hunnenschaft säbelt das Nibelungenheer zu Bruch, die eigene Schwester ersticht König Gunther, einen dritten Bruder, und Hagen verblutet unter Krimehilds Triumphgeschrei, und all die anderen Edlen aus Worms spucken Blut, kotzen ihr Gedärm…
Die Edlen aus Worms?, lacht Arno.
…und das Publikum tobt vor Begeisterung, kreischt vor Vergnügen, nur beim Kind, als die Halswirbel krachen, nur beim Kind, als es entseelt zu Boden sinkt…
Heult es auf, lacht Arno.
…heult es auf, dieses Pack, und warum? Bei den Männern und Brüdern warum nicht? Ist ein Kind eine heilige Kuh und sind erwachsene Männer Abfall, Geschmeiß? Ist ein Kind beklagenswerter als ein Mann? Darf man die Männer und Frauenwelt in Blut ersäufen und einzig das Kind…
Herzjesulein, kichert Arno.
…und einzig das Kind ist der Welt einen Seufzer wert, eine Träne?
Es geht eine Träne auf Reisen, singt Arno.
Ist denn dieses Kind ein Prinz-rühr-mich-nicht-an?
Krch, macht Arno und läßt seine eigenen Wirbel knacken.

(Dialog zwischen dem 37jährigen Lorenz und dem 12jährigen Arno, aus: Walter Foelske, „Tabu“, Trotz Verlag 2008)