Pädos sind „100-Kilo-Banger“? Zur Diskussion bei „HHP“

Bei „Hip-Hop-Partisan“, einem Forum für linke Hip Hopper, wurde in einem Thread als Reaktion auf einen Link zum „Fall Michelle“, der gerade die deutschen Gemüter erregt, ein Link zu diesem Blog gepostet, für diejenigen, die sich – quasi „aus erster Hand“ – mal über Pädophilie informieren möchten. So weit, so gut. Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Ich möchte hier kurz exemplarisch auf einige kritikable Äußerungen eingehen.

Da ist zunächst ein gewisser „xLaGrandex“, der nach fünf Sekunden auf diesem Blog allein durch das Lesen der absolut wertfreien Überschrift „Angstfrei und selbstbestimmt? Gedanken zu Manipulation und Kinderschutz“ zu einem negativen Urteil über mich kommt. Das ist erstmal dumm. Nach einigem Nachfragen lässt er sich dann aber doch herab, den anderen Usern seine Gedanken mitzuteilen:

Die „bis zu einem gewissen Entwicklungsstand Unmöglichkeit der Tragweite der Situation“ (gemeint ist wohl: Unmöglichkeit des Erkennens der Tragweite) sei der „Hauptgrund“ für seine Ablehnung jeglicher sexueller Kontakte zwischen Erwachsenem und Kind. Wann dieser Entwicklungsstand erreicht ist, sagt er nicht; was das überhaupt für eine Relevanz hat, auch nicht. Denn die „Tragweite der Situation“ ist ja nur dann von Bedeutung, wenn sie tatsächlich so aufgeblasen wird wie das in der Erwachsenenwelt überwiegend der Fall ist. Besitzt Sexualität in der Beziehung eine eher beiläufige, spielerische Komponente – so wie es vermutlich den Bedürfnissen der meisten Kinder angemessen ist –, zieht das Argument nicht, da es sich dann eben nicht um die beziehungsbestimmende Komponente schlechthin handelt, sondern allerhöchstens um etwas, was man halt hin und wieder miteinander macht, weil man Spaß daran hat. Dass Kinder Sexualität – auch mit Erwachsenen – genau so, nämlich als flüchtigen Spaß, erleben, kann man nicht nur in Pädophilenforen immer wieder nachlesen. Die Pädophilen müssen sich damit arrangieren und haben damit in der Regel auch wenig Probleme, da sie sich ihre emotionale Befriedigung auf anderem Gebiet suchen, etwa darin, dem Kind in seiner Entwicklung beizustehen oder schlicht ihm Freude zu machen, z.B. durch gemeinsame Unternehmungen. Der Fehler, den „xLaGrandex“ macht, ist also ein ganz grundlegender: er überträgt sein Modell von einer bürgerlichen Beziehung zwischen Erwachsenen, eine sog. „RZB“ bzw. „Romantische Zweierbeziehung“, auf Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern und schließt die Möglichkeit solcher glücklicher Beziehungen deshalb für sich kategorisch aus:

ich behaupte aber, insbesondere Kinder unter (ca.) zehn Jahren wären mit einer RZB ;) zu jemandem, der beispielsweise zwanzig Jahre älter ist, völlig überfordert (Erwartungshaltungen usw.)

Da es in Pädobeziehungen aber meistens gar nicht darum geht, eine „RZB“ nach bürgerlichem Vorbild aufzubauen, sondern sich der erwachsene Partner durchaus seiner Position und der Unterschiedlichkeit der Wünsche und Erwartungen bewusst ist, läuft auch dieses Argument ins Leere. Ich möchte zur Klärung dieser Frage auf meinen grundlegenden Text dazu hinweisen und da insbesondere auf die Äußerung am Ende sowie auf den abschließenden Link, unter dem einige Äußerungen von Pädophilen zum Thema nachgelesen werden können. Das Problem ist schlicht, dass Leute wie „xLaGrandex“ nicht nachvollziehen können, was es heißt, sich in ein Kind zu verlieben, und was daraus für Wünsche und Handlungsweisen resultieren – für diese Leute geht es beim Thema Pädophilie immer nur um Sex, und so setzen sie dann das Interesse am Sex absolut und ordnen dem alles unter.

Gut zeigt sich das auch in der Message von „Myagi-San“, der schreibt:

Und dann noch so einen Scheiß, das ja alles ok wäre, wenn das Kind irgendwie sein Einverständnis signalisiert. Wie kann man eigentlich so realitätsfern sein? Wenn ein 100 Kilo Banger vor dir steht und sagt: „Kann ich mir mal dein Handy ausleihen?“ wirst du wohl auch nicht mit „Nein“ antworten.

Das Motiv des Austauschs von Zärtlichkeiten – die Verliebtheit –, das bei Pädophilen in den allermeisten Fällen gegeben ist, wird völlig ausgeblendet und mit dem gewalttätigen Übergriff eines Schlägertypen auf Otto-Normal-Hip-Hopper gleichgesetzt, denn „der Pädophile“ an sich will ja nur Sex und ihm ist deshalb jedes Mittel recht: eine Denkweise, die in diesem Forum in bezug auf Homosexuelle, die auf Erwachsene orientiert sind, vermutlich völlig zu Recht als homophobe Scheiße kritisiert würde. Die Wahrheit ist: wer verliebte Gefühle für einen Menschen hat, wird in der Regel darauf bedacht sein, ihm nicht weh zu tun. Er wird darauf achten, die Beziehung für alle Beteiligten positiv zu gestalten, er wird Angst haben, den anderen Menschen zu verlieren (etwa durch ungewollte sexuelle Avancen) etc. Damit es zu erzwungenen sexuellen Kontakten unter Androhung von Gewalt kommt, müssen ganz andere Faktoren wirksam werden. Es gibt schlicht keinen Grund anzunehmen, dass das bei Pädophilen anders sein sollte.

Zugleich behauptet „Myagi-San“ damit implizit, dass einvernehmliche sexuelle Kontakte ausschließlich unter Gleichen möglich sein sollen: eine Absage also auch an heterosexuelle Kontakte, in denen ja nun, bedingt durch den sexistischen Normalzustand, immer ein Machtgefälle besteht. Der Logik von „Myagi-San“ nach dürften Menschen nur dann miteinander Sex haben, wenn sie das gleiche Gender und das gleiche Alter haben und am besten noch die gleichen Erfahrungen – also Onanie oder Sex mit einem Klon.

Abschließend noch eine generelle Anmerkung zu dem betreffenden Thread: wie dort über „das Kind“ und „die Pädophilen“ an sich geredet und spekuliert wird, ist bezeichnend für eine Gesellschaft, die beide Gruppen als homogene Masse konstruiert – die einen als Objekte eines totalen Schutzes, also als unberührbar, und die anderen als gemeingefährliche Volksschädlinge, also ganz und gar nicht unberührbar. Wenn die Anti-Pädo-Fraktion dort dann doch mal sagt, um was für Kinder es eigentlich geht und was „pädophil“ für sie bedeutet, dann sieht das so aus: mit „Kinder“ sind interessanterweise wohl Unter-10jährige gemeint, womit dann ein Großteil der auf Jungen orientierten Pädophilen, die nämlich in der Mehrzahl auf 10-14jährige stehen, aus der Diskussion herausfällt, und mit „pädophil“ werden Menschen charakterisiert, die ihren Sexualtrieb vollständig über die Interessen des Kindes stellen und zu Empathie und Verliebtheitsgefühlen nicht fähig sind. Beide Definitionen sind schlicht falsch, womit sich die ganze Diskussion eigentlich schon erübrigt hätte. Trotzdem hoffe ich, mit diesem Beitrag und den anderen hier etwas zur Klärung beigetragen zu haben.

(Alle Zitate sind auf dem Stand vom 29.08.2008, 14:30.)


5 Antworten auf “Pädos sind „100-Kilo-Banger“? Zur Diskussion bei „HHP“”


  1. 1 bigmouth 30. August 2008 um 10:07 Uhr

    ine Absage also auch an heterosexuelle Kontakte, in denen ja nun, bedingt durch den sexistischen Normalzustand, immer ein Machtgefälle besteht.

    wie schon häufiger: du machst da eine sehr fragwürdige analogie auf. als wären frauen männern derartig unterlegen wie kindern erwachsenen. das machtgefälle, wenn es besteht (was bei zwei leuten verschiedenen geschlechts gar nicht gegeben sein muss, anders als bei kind/erwachsen) ist doch idr viel viel kleiner.

    entscheidender finde ich: beide wissen idr, worum es geht. das problem bei pädo/kind ist doch: eine partei hat im vorfeld schon ein bewußtsein über ein interesse, das da ist (oder sich aus dem umgang heraus ergeben könnte), die andere seite nicht. da ist ein informationsvorsprung, und da ist eine tendenz hin zur verführung und manipulation (im sinne von: situationen schaffen, tricksen – vielleicht sogar ohne sich das richtig bewusst zu machen) einfach da

    dein oft gebrachtes argument

    wer verliebte Gefühle für einen Menschen hat, wird in der Regel darauf bedacht sein, ihm nicht weh zu tun.

    ist auch gar nicht so toll. „bedacht sein“ und „tun“ sind halt zwei sachen. männer, die ihre frauen verprügeln, lieben die idR auch

    liebe ist überhaupt kein schutz dagegen, mist zu bauen. und da sind kinder halt in einer schlechteren situation als erwachsene

  2. 2 Administrator 30. August 2008 um 13:10 Uhr

    Du tust ja gerade so, als ginge Machtgefälle immer mit Machtmissbrauch einher. Das bestreite ich ganz einfach, und insofern geht die Analogie auch auf. Und: in heterosexuellen Beziehungen gibt es doch massenhaft Machtmissbrauch, bis hin zur Vergewaltigung in der Ehe, die ja bis vor einigen Jahren noch nicht einmal unter Strafe stand und wo es vermutlich immer noch eine ganz beträchtliche „Dunkelziffer“ gibt. Das ist ja nun weder ein Argument für noch ein Argument gegen die Liebe unter Menschen, sondern eines gegen die bestehenden sexistischen Machtstrukturen. Oder, im Falle Erwachsener/Kind: gegen die Diskriminierung von Unter-14jährigen als dumme Blagen, um es mal salopp zu formulieren. Denn wer Kinder ernst nimmt und ihnen zuhört, wird auch ihre Bedürfnisse ernst nehmen. „Kinder stark machen!“ ist eine Kinderschützerforderung, die ich durchaus übernehmen würde, aber dann bitte nicht mit dem Zusatz „…zum Nein-Sagen“, sondern „…zum Ja- oder Nein-Sagen“!

    Ich leugne die Problematik von pädophilen Beziehungen innerhalb dieser Gesellschaft ja gar nicht. Aber wenn mir die Diskussion mit anderen Pädos in den letzten 1 1/2 Jahren eines gezeigt hat, dann, dass diese Leute eben keine hinterhältigen Triebtäter sind, sondern ganz normale Menschen, die es durchaus schaffen, ihre Neigung verantwortungsvoll zu leben, und zwar in sehr vielfältiger Weise.

    Noch ein Wort zu „situationen schaffen, tricksen“: Verführung ist in allen zwischenmenschlichen Beziehungen mit erotischem Hintergrund Standard, und sie ist ein wechselseitiges Spiel. Manipuliert wird man ständig. Da mag man jetzt reflexartig „buh! Manipulation!“ schreien, aber das ist dann auch wieder nur dem Dogma geschuldet, dass Sexualität oder auch nur Intimität etwas schlechtes sei. Zwischenmenschliche (romantische) Beziehungen sind doch viel zu komplex, als dass man sie darauf runterbrechen könnte, dass da einer manipuliert und der andere gegen seinen Willen irgendwas über sich ergehen lässt. Letzten Endes ist es immer riskant, eine solche Beziehung einzugehen, und zeig mir doch mal diejenigen Menschen, für die das nicht irgendwelche „psychischen Folgeschäden“ hatte. Vielleicht haben Kinder ob ihrer Unbekümmertheit da oft sogar einen Vorteil uns gegenüber: in dem Text „Träumt, solange ihr träumen könnt“ in „Der pädosexuelle Komplex“ befinden sich z.B. ein paar Protokolle von Interviews mit psychisch gesunden Männern, die als 12-14jährige Jungen Sex mit einem Mann gehabt hatten, auf Initiative des Mannes, und die sprechen nicht von Schädigung, sondern da stehen dann Sachen drin wie „Ich fand das ziemlich blöd, daß man so ein Theater macht wegen der blöden Wichserei“, als die beiden erwischt wurden, oder „Ich mache ihm auch keine Vorwürfe, das ganze war für mich nur eine Spielerei“. Wobei das eben Beispiele sind für flüchtige sexuelle Beziehungen, das Spektrum der Pädophilie/Päderastie umfasst ja noch viel mehr, wie ich nicht müde werde zu betonen; man sollte da deshalb einfach vorsichtig sein mit Verallgemeinerungen.

  3. 3 SnoopyBoy 09. September 2008 um 23:57 Uhr

    Das Problem ist, dass Pädophile und Kindheit komplexe Sachverhalte darstellen, die nur durch so lange Texte, wie diesen annähernd erläutert werden können, was aber voraussetzt, dass jemand lange Texte, wie diesen liest. Der größte Teil der „Antis“ hat aber nur 5 Sekunden Zeit, zu FÜHLEN und EMOTIONEN, in der Regel eine aufgehetzte Aufregung, freien Lauf zu lassen!

    Mit Argumenten gegen Aufregung vorzugehen ist daher löblich, aber im Endeffekt reicht das wohl nicht, um eine Hysterie zu entschärfen!

  4. 4 bo 23. November 2008 um 19:39 Uhr

    Alter ihr wollt kleine Kinder ficken!
    Liebe hin oder her,
    ein 11 jähriges kind wird niemals so fühlen wie ein 30 jähriger, du glaubst doch nicht im ernst das man das mit einer „aufgeklärten“ Partnerschaft vergleichen kann!?

  5. 5 Admin 24. November 2008 um 14:34 Uhr

    q.e.d.

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