Archiv für September 2008

For A Lost Soldier

Szenen aus dem Film „For A Lost Soldier“.


Andere schöne Videos zum Sonntag: ein weiteres zu dem Film und ein sehr empfehlenswertes zu dem brillanten Coming-Out-Kunstwerk „Wild Tigers I Have Known“.

Ich bin nicht Deutschland

Gut gemachte anti-pädagogische Kritik an den „Du bist Deutschland“-Kampagnen

Dazu passt das „Kinderlied“ der Gruppe Früchte des Zorns:

Als Jonathan starb

Serge war kein Wesen, das man lieben konnte, kein vernünftiger und freier Mensch, der einen Ort seiner Wahl für seine Zärtlichkeit und sein Heim bestimmt hatte. Er war nur ein Kind, von seinem Besitzer ausgeliehen, besser noch, abgesetzt. Barbara gehörte niemandem, Jonathan auch nicht, aber Serge gehörte jemand anderem. Also gab es ihn nicht; die Gefühle, die er einflößte, die er selbst verspürte, gab es also auch nicht. Ihn für lebendig zu halten, ihm zuzuhören, ihm nachzugeben, waren lächerliche Irrtümer. Er hatte seinen Kinderkäfig nicht verlassen, er hielt sich noch immer zu Füßen jener auf, die die Schlüssel und die eingeschlossenen Kreaturen im Auge haben. Man konnte sich täuschen lassen, weil diese Gefangenen reisen durften, am Auge vorbeiglitten, Leidenschaften und Augenblicke entfachten: ihre Etiketten, ihre notariellen Urkunden, ihre Polizeizeugnisse und Handelsakte bewiesen, daß sie in Besitz genommen waren – daß sie sich nicht selbst gehörten.
Diese Selbstverständlichkeiten quälten Jonathan. Er hatte keinen Begriff von der Kindheit. Was man so nennt und liebt, ekelte ihn an. Serge schien ihm ein vollendetes Wesen, anders als andere, ähnlich wie andere, den anderen gleich. Ein Mensch, der altern wird wie die anderen auch: am Anfang natürlich etwas weniger als die anderen. Er würde wachsen: eine schwache Veränderung im Vergleich zum Haarausfall, den Falten um die Lippen, den hängenden Titten, der harten Stimme, dem feisten Arsch, dem fast bewußtlosen Schlaf oder der schweren Müdigkeit, schlecht gelebt zu haben, die im Mannesalter die Glieder lähmt und die Bewegungen verlangsamt. Ein paar Jahre noch würde Serge (aber nicht Jonathan) sich selbst gleich bleiben, vollständig und vollendet wie die Sonne, ohne daß der Tod ihn im Griff hätte.
Daher spürte Jonathan in der Kindheit eine ruhige Kraft, eine Vollendung, die den späteren Lebensaltern völlig abging. Das Wort Kind jedoch veränderte die wohltuende Jugend von Serge wie durch ein Dekret in einen Alptraum – wie das unendliche Gesicht eines Jungen zum Alptraum wird, wenn man es in eine Zelle, im Familienkreis, in einer Jugendbande, in einer Schulklasse oder am Fließband sieht. Dieser vernichtende Urteilsspruch hatte auch Serge getroffen und seine Gefühle, seine Gedanken, den unendlichen Drang seines Körpers verdammt.
Vor diesem Jungen, den ein einfaches Wort auslöschte, zog sich Jonathan selbst zurück. Er verstand sich als Domestik und wollte nicht einmal Zeuge sein. Er wusch die Wäsche, er spülte, er kochte, er putzte das Klo, räumte auf, kaufte ein, ließ sich umarmen, stellte seine Nacktheit, seinen Schwanz, seinen Schlaf zur Verfügung, und sorgte sich im Hause für einen schüchternen Glanz um das luftige Reich des kleinen Jungen, als ob es kein Morgen gäbe. Es gab jedoch keine andere Zukunft als die Rückkehr von Barabara, der Beschützerin, Herrin und entschlossenen Liebhaberin eines Hundes namens Serge.

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Schlag ins Wasser gegen „Internet-Pädophile“

Das ominöse Blog „Newsbattery“, auf dem angeblich „investigative Reportagen, Essays und mehr“ erscheinen sollen, tatsächlich aber nur auf dem Niveau von ShortNews und Co. irgendwelche Meldungen aus Zeitungen recyclet werden, schreibt unter dem Titel „Schweizer Pädophilen-Forum gefunden“ (!):

Über scheinbar alles gibt es im Internet Foren: Bettnässer, Nasenpopelei, Pappefresser, Dünnbrettbohrer usw. Dass es Plattformen gibt, auf denen Kinderpornografie gehandelt und getauscht wird, ist bekannt. Aber das es auch Foren gibt, auf denen es Anleitungen zu Kindesentführung und zur Kinderschänderei gibt, dürfte wohl neu sein.

Ja, das ist tatsächlich neu, denn es ist eine Erfindung dieses Dünnbrettbohrers„Journalisten“. Auf dem Forum, um das es sich handelt, und das auch immer noch existiert, das sog. „Girlloverforum“, gab und gibt es solche Anleitungen nicht. Wohl aber „Tipps und Erfahrungen für den Umgang mit kleinen Mädchen oder Anweisungen für erste Kontaktnahmen mit Kindern“, wie die Schweizer Zeitung NZZ im Original der Meldung schreibt. Das ist ja nun auch völlig legal. Ins Visier der Fahnder kam das Forum auch nicht deshalb, sondern weil es Hinweise gab, dass dort im nicht-öffentlichen Bereich Kinderpornografie getauscht worden sei, weshalb es dann kurioserweise zu Ermittlungen gegen nahezu jeden, dessen IP dort registriert war, kam – über 600 Personen. Bisher, also in neun Monaten seit den ersten Hausdurchsuchen gegen GLF-Nutzer, hat man laut NZZ ganze vier Männer in der Schweiz und einen in Deutschland irgendwelcher Straftaten überführen können. Warum das Ganze gerade jetzt in die Schlagzeilen gerät, obwohl – ebenfalls laut NZZ – die Ermittlungen noch andauern, ist rätselhaft, besonders ergiebig scheinen sie ja nun noch nicht gewesen zu sein. Offenbar genügt die bloße Identifizierung von über 600 Menschen als Pädophile schon, um die aufgeheizte Öffentlichkeit zu befriedigen.

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