Archiv für November 2008

Pervers?

Auf Blogsport wird darüber debattiert, ob man den Begriff „pervers“ positiv wandeln kann und sollte – als „Selbstbezeichnung“ oder gar als „perverse Identität“. Dies soll u.a. vermitteln, „dass Normalität und Abweichung nicht unsere (!) Massstäbe sind“. Doch wohl eher das Gegenteil, oder? Die Unterordnung unter eine kollektive Sexualidentität ist ein Fehler und im Endeffekt Selbstpathologisierung; die Herrschaft, die Normalität staatlich garantiert, hat man dadurch nicht bekämpft, sondern eher bestätigt. Und: was passiert eigentlich bei den Perversidentitären, wenn sich mal die noch perverseren zu Worte melden?

„Kein Täter werden“: Janina Neutze, die armen Irren & das asexuelle Kind

Janina Neutze von „Kein Täter werden“ hat mal wieder ein Interview gegeben, diesmal an ganz hoher Stelle, in der Zeitung „Das Parlament“ vom Deutschen Bundestag. Zu Neutzes Ansichten steht hier schon einiges. Trotzdem noch ein paar Anmerkungen zu dem neuen Interview:

Grundsätzlich gehen Fragestellerin und Antwortende die ganze Zeit davon aus, dass Sexualität für Kinder grundsätzlich schädlich ist, wie sich z.B. ganz deutlich zeigt, wenn Neutze, angesprochen auf die Frage der pädophilen Auslebung von Sexualität, sagt:

Er kann sich selbst befriedigen. Und er hat seine Fantasien. Das ist die einzige Form, wie er Sex leben kann. Denn: Fantasien schaden niemanden.

Der mögliche Einwand, dass meine Schlussfolgerung falsch sei, da Sexualität ohne Mitwirkung von Erwachsenen für Kinder ja unschädlich ist, ist schnell aus der Welt zu schaffen, wenn man sich mal vor Augen hält, dass die bloße Mitwirkung eines Erwachsenen an einem sexuellen Akt mit einem Kind überhaupt nichts über die Qualität dieser Erfahrung aussagt, sprich: darüber, wie der Kontakt konkret aussieht und erlebt wird. Der Schaden muss also in Neutzes Denkweise bereits durch die sexuelle Handlung an sich entstehen, wodurch deutlich wird, dass Neutze und Co. in Wahrheit doch von einem asexuellen Kind ausgehen, dem zu Beginn des 15. Lebensjahres ganz plötzlich die Fähigkeit zur Sexualität verliehen wird. Diese Ansicht ist erwiesenermaßen absurd und wird interessanterweise auf Nachfrage dann häufig doch nicht vertreten, sondern es wird, wie z.B. hier, die Behauptung aufgestellt, dass ein Kind ja gar nicht wissen könne, „auf was es sich genau einlässt, da es die erwachsene Sexualität einfach noch nicht begreifen kann“. Wieso aber ein „Begreifen“ von „erwachsener Sexualität“ überhaupt nötig ist, um lustvolle Erfahrungen mit Älteren zu machen, das kann dann wiederum niemand stichhaltig erklären1.

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Hände unter die Decke! Über das sexuell verwahrloste Bürgertum und seine Kinder

Nicht aus der Mode kam dies: „Sexualität hat auch ganz viel mit Verantwortung zu tun, mit Respekt, mit Bindung, Mitmenschlichkeit, Reife und – mit Liebe.“ Es war eine der zivilisatorischen Leistungen des 20. Jahrhunderts, die menschliche Sexualität von all dem ideologischen Ballast an „Bindung“ (sprich: Ehe), „Liebe“ und „Verantwortung“ zu entrümpeln und die sogenannte Reife als große Lüge zu entlarven: Jeder Mensch ist von Geburt an reif für sexuelle Lust, unreif macht ihn allenfalls die herrschende – in unseren Breiten christliche – Moral.

Eike Stedefeldt verteilt im sehr lesenswerten Editorial der 58. Ausgabe von „Gigi – Zeitschrift für sexuelle Emanzipation“ Ohrfeigen an zwei Hüter der christlichen Sexualmoral in diesem Land, Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher, die ein Buch namens „Deutschlands sexuelle Tragödie“ (!) geschrieben haben, um damit Jagd auf sexuell aktive Kinder und Jugendliche zu machen. Das Ganze wird weiter ausgeführt im (online nicht verfügbaren) Artikel „Licht aus, Hände auf die Decke!“von Sebastian Anders, der schreibt:

Für Siggelkow und Büscher besteht Sexualität unter dem christlich-sexualpessimistischen Primat aus restriktiver Partnerschaft und nicht aus freier, selbstbestimmter Lust.

Das ist der gleiche Grund, aus dem die „Gesetze zum Schutz der sexuellen Selbstbestimmung“ diese eben nicht schützen, sondern beschneiden. Weiter heißt es:

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