OMG!

Auf der Berlinale wurden die Preise für die besten Kinder- und Jugendfilme vergeben. Große Gewinner dabei der kanadische Spielfilm „C’est pas moi, je le jure!“ („Ich schwör’s, ich war’s nicht!“), in dem ein 10jähriger u.a. um die Liebe eines Mädchens kämpft, und der norwegische Kurzfilm „Oh, My God!“, in dem drei elfjährige Mädchen ihre Sexualität entdecken. Bemerkenswert!


4 Antworten auf “OMG!”


  1. 1 SnoopyBoy 18. Februar 2009 um 3:09 Uhr

    Der SPIEGEL (weitgehend als konservativ bekannt) schreibt über das Programm der Sparte „Generation“ (Filme für Kinder und Jugendliche) des Internationalen Filmfests „Berlinale“, das in Berlin vom 5 bis 15.2. lief:

    „Doch das Kinderfilmfest gibt es nicht mehr. Es ist erwachsen geworden, lange schon. Zum dritten Mal heißt es jetzt „Generation“, und niemals zuvor wohl war es so ernst, so reif und auch so sexy. Ganz selbstverständlich findet das Maryanne Redpath, die erstmals das Programm der Sektion [Generation] verantwortet: „Vielleicht sind dieses Jahr tatsächlich einige wenige explizite Szenen mehr als sonst zu sehen bei uns, aber es geht nicht nur um Sex, sondern um Sexualität und Liebe, und damit um Themen, die Jugendliche und Kinder beschäftigen.“"

    (…)

    „Hier wird deutlich, wie auch in vielen anderen Beiträgen von „Generation“: Das YouPorn-Zeitalter ist angekommen im Kino…“

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,605646,00.html

    Es ist erstaunlich, wie die Verantwortlichen der Berlinale immer wieder feststellen, dass Sex und Sexualität eine Thema für Kinder (!!!) und Jugendliche (!) ist! Der Witz ist: Diese Filme mit „nicht kindgerechtem Inhalt“ – was auch immer das ist – tauchen immer wieder auf, weil die Jury selbst Kinder sind und diese Filme für gut befinden und, wie wir hier sehen, sogar gewinnen lassen! In dem Sinne ist die Berlinale die EINZIGE internationale Veranstaltung in Deutschland, in dem Kinder Entscheidungsgewalten haben und überall dort wo sie Entscheidungsgewalten haben, reagieren sie leider nicht so, wie man es von ihnen erwartet, nicht so „glücklich“ und „fröhlich“, wie sie sein sollen, sondern realistisch, wie die Welt der Kinder eben ist!

    Die beiden Filme, die du ansprichst, waren ja nicht die einzigen Filme mit jeweiligen „sexuellen“ Inhalt. In „Flickan“ (Das Mädchen) werden 2 Mädchen, ca. 12 Jahre, gezeigt, die einen kleinen Jungen, ca. 8 Jahre, nackig sehen wollten und die wollten wissen, ob er schon mal Sex gehabt hat und DAS mitten im Kinderprogramm! Eingestuft wurde der Film ab 10 Jahre!

    Aber es geht nicht nur um den „bösen“ Sex, auch ANDERE „nicht kindgerechte“ Themen werden angesprochen. Krieg? Kein Thema für die „Generation“, in „Das andere Ufer“ sah man einen Jungen mitten in den Auswüchsen des Georgienkrieges. Kinderarbeit? Zu sehen in der Doku „Die Erben“! „Zwangsverkauf von Mädchen in der Türkei“? Zu sehen in „Mommo“, empfohlen ab 10.

    Überhaupt alles nur „Empfehlungen“, was das Alter betrifft. Es gibt überhaupt garkeine offiziellen Altersbeschränkungen auf der Berlinale, wie im „realen“ Kino. Kein Kinderschutz beschwert sich, nur ein paar hysterische Mütter sieht man vereinzlnend schnaufen und sagen: „Das war ja ‚n guter Film, aber nix für Kinder.“ …und daneben stehen die Kinder und schreiben auf ihre „Mitmach-Zettel“, die die da ausfüllen können, dass das ein „super guter Film war!!!“ Grotesk, immer wieder grotesk und jedes Jahr das gleiche Bild; Ein Haufen Mütter, die ihre Kinder nicht mehr verstehen!

    Nur hin und wieder tauchen kleine Berichte im Spiegel auf und ein paar Stimmen werden laut, dass die Filme ja nicht „kindgerecht“ seien, aber die Jury hält dagegen und berichtet auf der Seite http://jungejournalisten.berlinale.de/ wie gut die Filme ja doch eigentlich sind, oder auch nicht!

    Ich finde: Man sollte den Kids mal zuhören, was sie interessiert und nicht sich einbilden, was Kids interessieren könnte oder SOLLTE! Das ist purer Adultismus! Bleiben wir doch mal lieber realistisch; Kinder sind am Realismus der Welt interessiert, an Sex, wie an Politik und Jugendliche sowieso!

    Damit sind sind wir auch gleich im Jugendbereich 14plus: Da ging es dieses Jahr um’s Ficken, um Partys, um Alkohol, Drogen, Sex und Selbstmord…

    Berliner Jugendliche berichten im Berliner Doku „Teenage Response“ (156 Minuten lang!!) wie sie u.a. ‚n Harten bekommen haben, als sie mit 12 Jahren ne nackte Frau gesehen haben und wie geil das war und das das ja DIE CHANCE gewesen wäre, mal ZU FICKEN. Weitere Filme handelten von Selbstmord („My Suicide“), andere von Drogentoten und Youtube-Pornos („Afterschool“) und wieder ANDERE von psychokranken Vätern („I know You know“). …und die Kinosäle waren voll, die Jugendlichen und KINDER im Saal begeistert!

    Vor 2 Jahren wurde ein Regisseuer nach der Präsentation des Films „Maximo Oliveros“, ein Film über einen 12jährigen Homosexuellen, gefragt, ob er sich nicht schlimm fände, dass Kinder sowas gezeigt würde. Er sagte dann: „Wir fragen mal die Kinder, ob sie den Film schlimm fanden.“ Die daraufhin alle im im Chor im Kinosaal: „Nööööööö“.

    Hach, ich liebe die Berlinale…

    Ich war dieses Jahr in 9 Filmen, in 7 Tagen! …und alle Filme gesehen, OHNE dass vorher Werbung lief :-) , u.a. war ich auch in einer 3-Stunden Doku über die Auswüchse des Neoliberalismus (L‘encirclement). Ja, auch die ANDEREN Sparten Forum und Panorama sollte man nicht vergessen, die waren dieses Jahr polistischer, wie noch nie. Zu Tränen rührte mich der Film „Laskar Pelangi“ aus Indonesien, in dem eine Frau um eine kleine Schule kämpft, die sich gegen die großen staatlichen Schulen durchbeißt und mit viel Herz und mit dem Einsatz ihrer Schüler einfach gewinnen muss!

    …und jetzt? Jetzt ist alles vorbei und wir dürfen uns auf „Lippels Traum“ freuen, eine NEUE Literaturverfilmung, nett gemacht, mit Anke Engelke und Co, aber eben sehr „kindgerecht“, kommt bald in die „normalen Kinos“, also mit Alterskontrolle, ohne Kinderjury, dafür mit 30 Minuten Werbung vorher…

  2. 2 Josh~ 22. Februar 2009 um 21:10 Uhr

    So begrüßenswert es ist, dass Kindern eine eigene Sexualität zugestanden wird, so bedenklich ist es doch, dass man hier keine Chance vertut Heteronormativität zu propagieren indem man Jungs zeigt, dass sie sich schon mit 10 für Mädchen zu interessieren haben (von wenigen Ausnahmen wie „Pagdadalaga ni Maximo Oliveros“ und „Let the Right One in“ mal abgesehen).

    Einen guten Artikel zu dem Thema gibts im aktuellen Destroyer (Ausgabe 8, Seite 12-17, The Big Blugg).

  3. 3 Josh~ 22. Februar 2009 um 21:11 Uhr

    „Bluff“, nich „Blugg“ xD

  4. 4 Admin 22. Februar 2009 um 23:06 Uhr

    Na ja, Josh, es gibt nun einmal Jungs, die sich in Mädchen verlieben – traurig, ich weiß, aber wahr! :D

    Filme mit schwuler Thematik gibt’s ja eben auch, Maximo Oliveros hast du genannt, toller Film, vor allem, weil er überhaupt kein Coming-Out-Film ist in dem Sinne, dass da jemand seine „schwule Identität“, wie sie in der bürgerlichen Gesellschaft verlangt wird, finden müsste (klassisches Beispiel: „Beautiful Thing“), sondern der Junge ist da einfach so wie er ist. „Der verlorene Soldat“ würde mir da auch noch einfallen, da kommt auch alles sehr natürlich rüber. Aber das sind eben auch Filme in für uns eher ungewöhnliche Settings. Schön wäre mal ein ganz normaler Kinder-/Jugendfilm, in dem sich zwei (prä-)pubertäre Jungs ineinander verlieben, so ähnlich wie „Fucking Amal“ das schon für zwei Mädchen vorgemacht hat. Das gibt’s eher selten, oder irre ich mich? Liegt aber vielleicht auch daran, dass sowas eben leider nicht (mehr) so oft vorkommt, der homophoben Gesellschaft sei Dank…

    BTW, „Let The Right One In“ ist nicht heteronormativ? Gut, das Mädchen ist ein Vampir, das könnte man jetzt als Code für was-weiß-ich deuten, aber man kann’s auch lassen. ;)

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