Archiv der Kategorie 'Kulturelles'

Meine Pädophilie ist nicht die der Gesellschaft

Ich frage mich manchmal, woher ich eigentlich früher die Kraft genommen habe, dieses Blog zu gestalten und vollzuschreiben, mich so eindringlich mit dem Thema „Pädophilie“ auseinander zu setzen. Die Antwort ist wohl, dass es mich weniger Kraft gekostet als vielmehr mir Kraft gebracht hat, als eine Art positive Verstärkung meines Selbstbildes, das sich unter dem Eindruck einer Erkenntnis, die andere Menschen schonmal zum Anlass nehmen sich umzubringen, behaupten musste. Nun ist die Auseinandersetzung mit dieser Erkenntnis nie vorbei, und so möchte ich einen Artikel über eine interessante neue Fernseh-Dokumentation zum Anlass nehmen, mich mal wieder ein wenig zu wundern, über die Gesellschaft und über mich selbst.

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So sind sie also?

In dem Kinofilm „Michael“ geht es um einen Mann, der einen Jungen im Keller gefangen hält und ihm Gewalt antut, sich auch sexuell an ihm vergeht. In vielen Medienberichten wird der Anschein erweckt, dies sei normal für einen pädophilen Mann.

Das ist es nicht.

Auf queer.de wird über den Film diskutiert. Ich möchte einen Beitrag davon auszugsweise hier dokumentieren. Er spricht für sich:

„So sind sie also, diese widerlichen Pädophilen, ja?!“

Gute Frage…

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:-)

Peter Pan

Paedogeddon!

These fairly simple plays on words were opaque enough that none of the guest celebrities understood that they were being lampooned until the show was aired, in spite of what often seems to the viewer like plainly absurd subject matter. The Capital Radio DJ Neil „Doctor“ Fox, for example, informed viewers that „paedophiles have more genes in common with crabs than they do with you and me“, before qualifying his remarks with „Now that is scientific fact — there’s no real evidence for it — but it is scientific fact“.

(wikipedia on „Brass Eye – Paedophilia Special“, one of the best parody-shows ever made)

A tribute to…

…Cam Archer’s film „Wild Tigers I Have Known“ which depicts a young teenager’s love for an older student:

Bäst i Sverige!

Über die tiefe Kluft, die in dieser Welt zwischen Erwachsenen und Kindern aufgemacht wird, um die jungen Menschen für das herrschende System zu disziplinieren, habe ich schon häufiger geschrieben. Ein Film, der diese Kluft geradezu mit Inbrunst illustriert, ist „Bäst i Sverige!“ (die deutsche Version heißt „Zwei kleine Helden“) von Ulf Malmros. Er handelt von Marcello und Fatima, zwei Einwandererkindern in Schweden, die beide nicht nur den rassistischen Hass ihrer Mitschüler, sondern auch das brutale Unverständnis ihrer älteren Familienangehörigen auf sich ziehen. Weder Marcello noch Fatima erfahren in ihrem Elternhaus auch nur einen Funken Verständnis für ihre Art zu leben, für das, was sie sind: Marcellos Vater will aus ihm einen Profifußballer und einen echten Kerl machen, seine Mutter drängt ihn dazu, ein Priester zu werden, beide bemerken dabei nicht, dass er eigentlich Pilot werden will, und dass ihr Sohn ständig niedergeschlagen ist, weil er von seinen Mitschülern täglich drangsaliert wird. Fatima wiederum ist diejenige, die Fußballprofi werden möchte, aber sie hat mit der patriarchalen Brutalität ihrer Brüder und der Gleichgültigkeit ihres Vaters zu kämpfen, und auch ihre Mutter kann ihr nicht helfen: sie ist bei einem Raketenangriff getötet worden. Die beiden Ausgestoßenen verlieben sich ineinander und kämpfen fortan gemeinsam für sich und ihre Träume.

Obwohl der Film die Geschichte versucht kindgerecht zu inszenieren, zeigt er das Leid der beiden Unverstandenen schonungslos auf und sorgt so dafür, dass der Zuschauer unter ihm leidet, genauer: darunter, dass die beiden keine Chance haben, denn sie sind nichts weiter als die Projektionsflächen der Älteren. Das Ende bietet zwar Hoffnung – bei einem Kinderfilm kein Wunder –, aber es bleibt doch ein Unbehagen zurück, das – so ist jedenfalls zu hoffen – dem einen oder anderen jungen oder alten Zuschauer die Augen öffnet.

Doch auch das Gegenteil kann der Fall sein: auf amazon.de steht die Kundenrezension einer „Grundschullehrein und Schulpsychologin“, die in „Zwei kleine Helden“ einen „für Kinder schädlichen Film“ sieht; Begründung: er beschönigt nichts, und er enthält keine „pädagogisch wertvollen Aussagen“! Das ist natürlich an Dummheit kaum zu überbieten und kann bestenfalls damit erklärt werden, dass die Frau ihre eigene Unfähigkeit, ihr eigenes Versagen im Alltag, an das sie der Film vermutlich erinnert hat – weil sie ja auch eine dieser Erwachsenen ist, die immer von oben herab auf Kinder schauen, immer mit professioneller Distanz, immer mit Formeln aus dem Lehrbuch, nie mit Empathie und Verständnis –, dass sie also ihr eigenes pädagogischen Unvermögen mit Empörung kaschieren muss anstatt es zu reflektieren. Und deshalb sieht sie den kindlichen Standpunkt, den „Bäst i Sverige!“ schonungslos in den Mittelpunkt rückt, den Standpunkt kindlicher Außenseiter, den will sie gar nicht sehen. Sie will nicht sehen, wie Marcello seine Freundin Fatima versucht aufzuheitern, indem er sein Gesicht in Ketchup taucht – eine wunderschöne Szene, die das Verhältnis der beiden Kinder zueinander sehr schön illustriert –, denn das macht ein braves Kind nicht, die Szene ist also „überflüssig“. Sie will nicht hören, wie Fatima Marcello davon erzählt, wie ihre Mutter gestorben ist – ein zärtlicher Vertrauensbeweis –, auch das hält die Frau ernsthaft für „überflüssig“, denn es ist ja „brutal“ – natürlich ist es das, aber wie wenn nicht im Rahmen eines Kinderfilms sollen Kinder denn sonst auf die Brutalität der Welt vorbereitet werden? Aber sollen sie das überhaupt? Oder sollen sie einfach die Augen verschließen, so wie viele Erwachsene das auch tun? Wenn es nach dieser Frau geht, schon: sie will einen Film sehen, der „pädagogisch wertvoll“ ist, der also zeigt, dass es gut ist, das Kind in eine Schablone zu pressen, weil die Schablonen als gut definiert werden. Der brave, angepasste Kinder zeigt. Wenn ein Kind wie Marcello darunter leidet nicht dazu zu gehören, wenn ein solches Kind dann das Unwerturteil der Gesellschaft über sich übernimmt, indem es sich selbst für den größten Versager hält (und das ja auch ist – wegen der Stellung der anderen zu ihm!), und wenn es aus diesem Dilemma nur dadurch versuchen kann auszubrechen, indem es etwas völlig wahnwitziges tut, um der „Bäst i Sverige“ zu werden – dann findet das diese Grundschullehrerin und Schulpsychologin „nicht normal“ und ist empört.1 Und sie will, dass das Leid der Ausgestoßenen unter den Teppich gekehrt wird, weil das eben nicht normal ist – Normalität über allem, das ist der Standpunkt der Erwachsenen, und unter diesem leiden zahllose Kinder auf der ganzen Welt. Weil sie als Kinder nur halbe Menschen sind.

Mich hat der Film – trotz einiger Schwächen, auf die ich hier aber nicht näher eingehen will – berührt, wütend und traurig gemacht. Selbst das vermeintliche Happy End scheint mir keines zu sein, obwohl es Hoffnung gibt. Aber es ist ja nur ein Film, der braucht keine Hoffnung. Hoffnung braucht die Realität.

  1. Dabei ist es ja eigentlich genau das, was soziale Normalität im Kapitalismus ausmacht: sich selbst im Rennen um die besten gesellschaftlichen Plätze besonders gut darstellen, einen Selbstbewusstseinskult zelebrieren, dabei aber bloß nicht zu sehr aus der Reihe tanzen, lediglich die anderen ausstechen – und sich selber nicht ausstechen lassen! Dass dabei Leute auf der Strecke bleiben, ist nur folgerichtig. [zurück]

Is Anybody There? – Filmtipp

Filmtipp: Der elfährige Edward (sehr talentiert und süß: Bill Milner) wächst in einem von seinen Eltern betriebenen Altersheim auf und ist besessen von der Idee, das Leben nach dem Tod zu erforschen. Eines Tages zieht widerwillig der ehemalige Zauberer Clarence (grandios: Michael Caine) ein, und zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. „Is Anybody There?“ – ein in allen Belangen wunderbarer Film über das Leben und den Tod, lustig, traurig, wunderschön.

Der Fall Michael Jackson

„Wenn sich die Beziehung zu dem kleinen Jungen so intensiviert, warum greift niemand ein…?“ – Die Dokumentation „Michael Jackson – Die ganze Wahrheit“ zeichnet den gesellschaftlichen Fall Michael Jacksons nach: für seine Liebe zu Jungen wird er von Journalisten, Staatsanwälten und Journalisten so lange verfolgt, bis er am Ende ist. Bemerkenswert die Aussage von dem prominentesten dieser Leute, Victor Gutierrez, der auch damals die Tagebücher von Jacksons bekanntestem Jungen Jordan Chandler gelesen und veröffentlicht hat und u.a. darüber wohl zur Vernunft gekommen ist: „Ich lese das Protokoll vom Oscar-Wilde-Prozess [wegen dessen] homosexuellen Freundes Bosi. Wilde wollte nur rund um die Uhr mit Bosi zusammen sein. Das gleiche empfand wohl Michael Jackson in seiner Liebesgeschichte zwischen ihm und dem 13-jährigen Jungen. Vielleicht haben wir ja in 50 oder 100 Jahren ein schlechtes Gewissen, Jackson dafür verfolgt zu haben…“ Sie können gerne jetzt schon damit anfangen.

Tod eines Monsters

Zum Tode des wohl beliebtesten Pädophilen der Welt ist in dieser und auf diesem Blog-Hoster heute einiges los. Spiegel Online z.B. meint, in Michael Jackson ein „monströses Genie“ (heute morgen noch: „Monster und Genie“) erkannt zu haben, und schreibt auch gleich dazu, warum:

An jenem Sommertag in Kalifornien traten zwölf Geschworene in den Saal 102 des Bezirksgerichts von Santa Maria, um ihr Urteil zu verkünden über den gestürzten „King of Pop“. Den größten Hitmacher der Musikgeschichte. Den Freak. Es war ein Freispruch – auf dem Papier. Lediglich „reasonable doubt“, berechtigter Zweifel, hielt jene Jury davon ab, Jackson wegen sexuellen Missbrauchs eines 13-Jährigen zu verurteilen, und sie machte das auch sehr deutlich.

In Gang gebracht wurde der Prozess damals durch die Dokumentation „Living With Michael Jackson“, die vom SpOn-Autor als „skurril“ bezeichnet wird, vermutlich deshalb, weil dort ein glücklicher Junge davon erzählt, dass er mit Jackson in einem Bett schlafe – man mache das eben so, wenn man sich lieb hat. Zwei Menschen, die sich lieb haben – da kann man schon mal von Skurrilität sprechen, wenn man überhaupt gar keinen Funken Verstand mehr im Kopf hat. Oder davon, dass Jackson „keine Kindheit“ gehabt habe (wie geht das? Er hatte lediglich eine andere Kindheit als die vom Autor idealisierte!), was in dem Artikel auch schön wiederholt wird, so als sei das die einzig gültige – und vielleicht akzeptable – Begründung für Jacksons mehr als offensichtliche Neigung zu (prä-)pubertären Knaben. Einfach so pädophil sein, das geht nämlich nicht, das ist ein Knacks, der therapiert gehört, sonst passiert so etwas:

1988 kaufte er sich Neverland, sein privates Disneyland in den Hügeln Kaliforniens. Die Ranch umfasste tausend Hektar, samt Privatzoo und Kirmes mit Riesenrad, Karussell und Eisenbahn. Jackson wohnte im Haupthaus, inmitten von Spielzeugen, Puppen und Kunst. Statt Jackson aber Geborgenheit zu geben, brachte Neverland ihm den Ruin. Er bevölkerte das Anwesen mit Kindern, sah keine Schranken zwischen ihnen und ihm – und so nahmen Gerede und Gerüchte ihren Lauf.

„Gerede und Gerüchte“, weil jemand gern mit Kindern zusammen ist bzw. weil er „keine Schranken zwischen ihnen und ihm“ sieht – wo doch die Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt ein unbedingtes Dogma dieser Gesellschaft darstellt –, das ist wohl leider die Normalität in dieser Gesellschaft. Wenn derjenige dann noch der größte Popstar der Welt ist, kann man ihm auch schonmal ein bisschen Geld aus den Rippen leiern: 25 Millionen Dollar Schweigegeld soll Jackson 1993 in seinem ersten „Kindersex-Verfahren“ (sic!) bezahlt haben, das zweite – 2005 – brachte ihm zwar einen Freispruch ein, aber den Ruch des Pädophilen, des Kinderschänders, hatte er längst weg. Bemerkenswert dabei: weil Jacksons Musik und er selbst so ungeheuer beliebt sind in der Welt, nahm es ihm kaum jemand übel. Es wird zwar erwähnt – wie in dem vorliegenden SpOn-Artikel –, aber als „Skurrilität“ verklärt, als eine der vielen Macken, die der exzentrische Popstar nun einmal so hatte.

Der ganz normale Pädo von nebenan hat da meistens weniger Glück. Gegen „Gerede und Gerüchte“ kann der sich im Regelfall nur durch einen geordneten Rückzug wehren, sonst ist Ende im Gelände. Und sollte er dabei draufgehen, vielleicht durch Selbstmord, vielleicht durch einen Lynchmob, vielleicht auch durch einen stressbedingten Herzanfall, niemand würde ihm eine Träne nachweinen. Höchstens hinterherspucken würde man ihm, denn er war nicht „skurril“ oder ein „monströses Genie“: er war Abschaum.

Nachtrag vom 28.06.2009: Der Fernsehsender arte hat eine sehr interessante Dokumentation zum Fall Michael Jackson ausgestrahlt.

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