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Meine Pädophilie ist nicht die der Gesellschaft

Ich frage mich manchmal, woher ich eigentlich früher die Kraft genommen habe, dieses Blog zu gestalten und vollzuschreiben, mich so eindringlich mit dem Thema „Pädophilie“ auseinander zu setzen. Die Antwort ist wohl, dass es mich weniger Kraft gekostet als vielmehr mir Kraft gebracht hat, als eine Art positive Verstärkung meines Selbstbildes, das sich unter dem Eindruck einer Erkenntnis, die andere Menschen schonmal zum Anlass nehmen sich umzubringen, behaupten musste. Nun ist die Auseinandersetzung mit dieser Erkenntnis nie vorbei, und so möchte ich einen Artikel über eine interessante neue Fernseh-Dokumentation zum Anlass nehmen, mich mal wieder ein wenig zu wundern, über die Gesellschaft und über mich selbst.

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Zwischen den Jahren…

…weiß ich auch nicht so recht, was ich schreiben soll. Zehn Monate ohne einen neuen großen Eintrag sind vergangen, gerade habe ich noch einmal viele alte Beiträge und die Kommentare dazu gelesen: Eigentlich ist alles gesagt, alles abgedeckt, und das, ohne dass es durch Spam oder zu lange Kommentarfäden unübersichtlich geworden wäre. Hin und wieder gelangen immer noch Leute hierher, die sogar Kommentare hinterlassen. Das macht mich dankbar, stolz und auch ein wenig glücklich – in dieser Zeit der Besinnung und der Reflexion ist das sehr hilfreich.

Sehr berührt hat mich die Kategorie „Persönliches“. Ich habe dann auch noch alte private Tagebuchaufzeichnungen hervor geholt und war plötzlich wieder mittendrin im Gefühlschaos von 2008 und 2009. Was ich eigentlich gar nicht gebrauchen kann, bot 2011 doch ein neues, das in vielerlei Hinsicht zwar an das aus früheren Begegnungen erinnerte, aber dann doch – wie so vieles – sehr eigen war und in 2012 sicher eine Fortsetzung finden wird, die natürlich noch völlig unklar ist, abgesehen von dem, was immer klar ist: dass ER mich mag. Dass wir Freunde sind. Hoffentlich werden wir uns wieder oft begegnen.

Plattitüden. Vielleicht noch eine hinterher: Es geht mir gut. Oder zumindest so gut, wie es jemandem gehen kann, der am Rande der Normalität ein Glück sucht, in dem viele eine Gefahr sehen. Und der sich deshalb auch oft schon bedroht gefühlt hat, wo gar keine Bedrohung war, weil seine Freunde nämlich tatsächlich Freunde sind – oder zumindest Menschen, die wissen, dass nur ein Leben, das auf Vertrauen fußt, tatsächlich Leben genannt werden kann.

In diesem Sinne: eine gute Zeit.

Das Wort zum Fest: Tragik, Liebe, Familienhölle

Liebe Leute,

kurz vor Weihnachten fuhr ich durch die Straßen meiner Heimatstadt. Es war der letzte Schultag, und an den Bushaltestellen rund um das Gymnasium drängten sich die Sextaner und bewarfen sich und andere mit Schneebällen.

Ich war in diesem Moment sehr traurig. Das bin ich oft, wenn ich Kinder sehe. Hinterher habe ich mich gefragt, warum, und ich bin darauf gekommen, dass mir in diesen Momenten die besondere Tragik des Pädophilen-Daseins ins Herz kriecht: unter Kindern, mit Kindern, ein Teil der Kinder sein zu wollen und dennoch da völlig fehl am Platze zu sein. Denn als Erwachsener bin ich kein Kind mehr und soll mich altersgemäß verhalten, soll altersgemäß empfinden, soll den Kindern also sagen, dass sie das sein lassen sollen mit den Schneebällen, sie könnten andere damit verletzen. Das kann ich nicht, oder: Ich kann es nicht, ohne dass dabei in mir etwas droht zu Bruch zu gehen. Von mir wird verlangt, dass ich mich verbiege. Aber was ist, wenn man sich nicht weiter verbiegen kann?

Das sind keine neuen Überlegungen. Sie sind vermutlich nicht einmal sonderlich originell. Denn verbiegen muss sich in diesen Verhältnissen doch jeder, ob pädophil oder nicht, und manche, die in ihrem Begehren und Verhalten der Normalität entsprechen, merken es nicht einmal, machen das Verbiegen zu ihrer ganz persönlichen Sache, suchen das Glück im Normalen und finden doch nur Gewalt, Ohnmacht, Verzweiflung. Man sieht es immer wieder an sog. Familiendramen, an Eifersucht, an Psychoterror, an Ehe- und Beziehungskriegen. Wie kommt das? Wie kommt es dazu, dass das Streben nach Glück im Privaten auch oder gerade für die Normalos zu allem möglichen führt, aber eben in den seltensten Fällen tatsächlich zum Glück?

Das liegt an der Art des gesuchten Glücks: Glück ist da nämlich immer eine idealistische Vorstellung von der totalen Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse als Kompensation für die Zumutungen der kapitalistischen Arbeitswelt: All das, was in der Arbeitswelt entbehrt werden muss, weil man immer für fremde Zwecke (der Geldvermehrung), nie für den eigenen Ertrag (der Bedürfnisbefriedigung) sich den Buckel krumm schuftet, soll (!) in der Privatsphäre durch Liebes- und Familienglück ausgeglichen werden. Die klassische romantische Zweierbeziehung ist eine Art gegenseitiger Besitzanspruch an der jeweils anderen (kompletten) Person mit dem Ziel der Kompensation für durch den Kapitalismus erlittene Schäden. Und wenn diese misslingt, was bei einem solchen Ideal nur allzu wahrscheinlich ist, kommt es leicht zu Gewalt in physischer wie psychischer Form, zu Familiendrama, Eifersucht, Mord und Selbstmord.

Pädophile können froh sein, damit nicht so viel zu tun haben. Ihre Probleme sind andere, vielleicht teilweise sogar: weniger harte. Die Suche nach einer Nische zur verhältnismäßig zufriedenen Existenz ist durch die gesellschaftliche Akzeptanz des Single-Daseins einfacher geworden. Einigen gelingt es sogar sich Räume zum Umgang mit Kindern zu schaffen, die sie ansatzweise glücklich machen. Erwachsene, mit allem, was an Erwartungen von Seiten der Gesellschaft dazugehört, sind sie trotzdem, was u.a. zu der eingangs beschriebenen Tragik führt, die ich nach wie vor – und gerade in der Weihnachtszeit – dann doch als recht belastend empfinde. Denn wie ich sie für mich in einem befriedigenden Maße auflösen kann, ist mir noch nicht einsichtig geworden.

Wichtig dabei ist mir, dass ich mir selbst die gesellschaftliche Normalität von Ehe und Familie erklären kann und also sehe, dass dort bei weitem nicht alles Gold ist, was glänzt – ganz im Gegenteil. Mein Lebensentwurf, so jämmerlich er unter diesen Verhältnissen auch erscheinen mag, hat mit dieser Art von Wahnsinn jedenfalls unmittelbar wenig zu tun. Eine solche Erklärung der Verhältnisse hilft mir zwar auch nicht, mein Leben angenehmer zu gestalten, aber das ist ja auch nicht ihr Sinn und Zweck.

Wen der Zusammenhang von Gesellschaft, Familie, Glück und Gewalt ebenfalls interessiert, dem empfehle ich das aufmerksame Anhören des Vortrags „Anlässlich des alljährlichen Fests der Liebe: Die gesellschaftliche Institution Familie – Ort des Glücks, des Psychoterrors und des Amoklaufs“ von Dr. Peter Decker auf der Seite http://doku.argudiss.de.

Und als herzerwärmendes Schmankerl zwischendurch: meine Weihnachtsgeschichte „Im Herzen“.

Trotz alledem
ein frohes Fest.

Ein neuer Anfang?

2010 ist da: ein neues Jahrzehnt – ein neuer Blogeintrag – ein neues Leben? Der sog. Kinderschutz nimmt immer abstrusere Züge an, der verdiente GenossePäderastenkollege SnoopyBoy hat sein Blog gelöscht, und ich bin immer noch nicht zum Kinderschänder geworden, ganz ohne Dr. Beier. Oder? Wie habe ich eigentlich das Jahr verbracht?

2009 unternahm ich den Versuch, eine „offene Wohnung“ zu unterhalten, also von den Eltern „vernachlässigte“ bzw. mit vielen Freiheiten versehene Jungs in meine Wohnung einzuladen. Ist das eigentlich schon Kinderschändung? Schließlich soll man Kinder in Ruhe lassen, wenn man sie nicht gerade in die Schablonen presst, die man für sie in der Schublade liegen hat. Und das habe ich nicht getan, sondern ich habe mich einfach ihnen angenähert. Ich wollte das hier ausgiebig reflektieren, aber ich merke, das kann ich nicht, und stelle daher nur fest: der Versuch ist gescheitert. Ich kann nicht mit Jungen wie diesen befreundet sein. Ich hatte keine Schablonen für sie, und so passten wir nicht zusammen. Mehr werde ich dazu nicht schreiben, denn ich vermisse sie trotz allem, obwohl ich den Versuch bewust beendet habe, und ich bin auch dankbar für die Erfahrungen, die ich machen durfte und für die Zuneigung, die mir – warum auch immer – hin und wieder entgegengebracht wurde. Unvergessen bleibt ein Kirmesbesuch, die strahlenden Gesichter, unvergessen bleiben die Momente, wenn er Nähe zuließ, und unvergessen bleiben die Angst und die Anspannung und der Gedanke, den ich immer hatte, wenn wir draußen waren: ja, ich bin mit Jungs unterwegs, und sie sind nicht mit mir verwandt – was willst du tun, Spießer?

Nun bin ich wieder allein mit meiner Sehnsucht, ein Zustand, den ich mir in den letzten Monaten tatsächlich häufig gewünscht habe, weil es schlicht zu anstrengend wurde, dieses völlig atypische Leben eines erwachsenen Mannes, der soviel Zeit mit so jungen Menschen verbringt und dabei nicht einmal die wichtigsten ihrer Interessen teilt. Ich weiß jetzt, dass ich etwas anderes möchte. Da kommt die Sehnsucht dann heran geeilt, und sie kann so quälend werden, dass ich mir den Trubel zurück wünsche: denn es ist ja viel schwerer, meine Sehnsucht auf eine Weise zu stillen, die mich zufrieden stellt. Ich wusste das vorher. Andererseits: wer ist schon wirklich glücklich? Wenn ich mir die Menschen anschaue mit ihren geregelten Leben und ihrer Normalität, dann sehe ich darin zu vieles, was mir widerstrebt. Ein Glücksgefühl ist das dann in mir, ein kleines Licht des Glücks. (Übrigens ist es das, was die blaue Kerze vom IBLD für mich symbolisiert.)

Viel mehr als den Trubel aber wünsche ich mir die Nähe eines ganz bestimmten Menschens, des Jungen, den ich schon vor einem Jahr nur unter Schmerzen sehen konnte. Diesen Jungen habe ich das ganze Jahr über nur noch ein paar weitere Male gesehen. Einmal hat er mit mir geredet. Zweimal hat er mich gesehen und mir zugewunken. Häufiger aber hat er durch mich hindurch geschaut, und mittlerweile dürfte er mich vergessen haben. Ich aber kann ihn nicht vergessen und denke nach wie vor sehr oft an ihn. Ich war abgelenkt durch den Trubel, nun bin ich es nicht mehr. Nun verfluche ich meine romantische Ader.

Aber auch das muss bald vorbei sein. Es gibt zwar keinen Abschied – ich habe zu große Angst, ihn dadurch zu verstören –, aber innerlich arbeite ich daran, denn es ist unmöglich, wieder sein Freund zu werden. Ich breche deshalb auf zu neuen Ufern, begebe mich neu auf die Suche nach jemandem, den es sich zu begegnen lohnt. Ich bin wieder am Anfang und doch viel weiter: 2009 stand unter ihrem Zeichen, 2010 beginnt sie erneut – bedächtiger, klüger, geregelter, aber bitte niemals in den Abgrund der Normalität hinein. Ich bin gespannt, ob ich das schaffe.

Status, Gefühl und Denunziation

Aus verschiedenen Gründen ist auf diesem Blog seit über einem Monat nichts mehr passiert. Das wird sich vermutlich auch in Zukunft so schnell nicht ändern, außer, es passiert irgendwas Besonderes, bei dem es mir in den Fingern juckt. Ich habe aber auch irgendwie das Gefühl, dass inhaltlich alles gesagt ist bzw. ich habe zur Zeit nicht mehr das Bedürfnis, die Inhalte noch weiter zu vertiefen. Wie es auf der (mittlerweile mal wieder überarbeiteten) Info-Seite heißt, spiegelt dieses Blog auch meine persönliche Entwicklung wider, und da ist es mittlerweile so, dass mein Selbstbild als Mensch mit einer päderastischen Neigung einen Status erreicht hat, der einen theoretischen Diskurs darüber in der Öffentlichkeit nicht mehr aus mir selbst heraus notwendig erscheinen lässt. Sprich: ich bin mit mir im Reinen.

Dieses Jahr habe ich einiges erlebt. Eine Hoffnung, die auf meine aktuelle „große Liebe“, die hat sich nicht erfüllt, und gerade jetzt, wenn der Herbst es wieder sehr verlockend macht, sich der Melancholie hinzugeben, merke ich, dass mich das doch sehr traurig macht. Gestern habe ich IHN mal wieder gesehen, aber nur von meinem Fenster aus, was mittlerweile eine Seltenheit ist: gut so, denn es tut einfach zu sehr weh. Er ist wie der Herbst: bunt, lebendig, aber es schwingt immer eine Melancholie mit, er ist ein sehr weicher Junge, vermutlich auch ein bisschen ein Außenseiter, ein Träumer, aber ich gebe zu, ich kenne ihn zu wenig, um das wirklich beurteilen zu können. Er wirkt perfekt auf mich, nach wie vor. Ich sollte aufhören, an ihn zu denken.

Das wiederum fiel mir noch vor einigen Wochen leichter, da ich durch andere Jungs in meinem Leben von ihm abgelenkt war. Das war nicht die große Liebe, aber es war cool, endete leider jedoch ziemlich bitter; entweder habe ich versagt oder es war einfach nicht möglich, eine echte Freundschaft aufzubauen. Manche Menschen sind eben einfach nicht zu retten, vielleicht muss ich das akzeptieren.

Was nicht zu akzeptieren ist, das ist, wenn Menschen, die es einfach nicht besser wissen und auch nicht besser wissen wollen, gegen andere Menschen hetzen, sie denunzieren, ihnen versuchen zu schaden. Ein aktuelles Opfer derartiger Bemühungen ist das Forum boytopia.tv, ein völlig harmloses Forum mit ca. 30 aktiven Mitgliedern, das sich, als ich dort noch Zugang hatte, insbesondere durch die üblichen Klamauk-Threads und gelegentliche Diskussionen z.B. über das Schutzalter (von den meisten Mitgliedern für gut und richtig befunden) o.ä. auszeichnete. Auch gab es eine sehr gute Galerie mit überwiegend künstlerisch wertvollen Fotos bekleideter Jungen. Die mit Behörden zusammen arbeitende Privatfirma „jugendschutz.net“, die zur Zeit offenbar eine „Recherche“ über die „Boy- und Girllover-Szene“ durchführt (so angekündigt im Jahresbericht 2008), hält dieses Forum nun für gefährlich für die öffentliche Moral und will es schließen lassen. Auch Blogsport scheint ins Visier dieser Leute gekommen zu sein (ohne allerdings mich persönlich zu kontaktieren, das hätte vielleicht einige Missverständnisse ausräumen können), daher stelle ich hiermit – falls es nicht durch die übrigen Inhalte schon deutlich genug geworden ist – an dieser Stelle unmissverständlich klar:

Auf diesem Weblog geht es um eine sachliche und individuelle Auseinandersetzung mit der Thematik Pädophilie/Päderastie. Das im Grundgesetz garantierte Recht auf Meinungsfreiheit ist dabei die Grundlage für theoretische Äußerungen, die sich auf Freundschaften, Beziehungen und sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen beziehen. Es ist völlig unmöglich, in der bloßen theoretischen Auseinandersetzung mit der Thematik gegen Gesetze oder auch gegen die sog. guten Sitten zu verstoßen. Denk- und Redeverbote in dieser Hinsicht schaden dem Kinder- und Jugendschutz, weil es ohne einen Austausch unter Pädophilen, ohne ein Ventil nach außen hin, zur persönlichen Isolation kommen kann, die das Entstehen psychischer Krankheiten, welche zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung führen können, begünstigt. Eine theoretische Auseinandersetzung über einen Gegenstand nur wegen der Beschaffenheit dieses Gegenstands für sittenwidrig zu erklären und den Austausch zwischen davon Betroffenen zu unterbinden, ist ein intellektuelles Armutszeugnis und widerspricht zivilisatorischen Mindeststandards. Kein einziger Beitrag auf diesem Weblog ist pornographisch. Sexuelle Gewalt und Zwang gegen Kinder und alle anderen Menschen, sowohl in psychischer als auch in physischer Form, verurteile ich aufs Schärfste. Auch habe ich noch nie dazu aufgerufen, gegen geltendes Recht zu verstoßen und werde das auch in Zukunft nicht tun.

Das war’s fürs Erste. Bis demnächst!

Umbringen

Schön und gut, „Thiel Schweiger“; aber hätte es ein Link zu diesem Blog nicht auch getan? Im Ernst: danke; trotz der gestelzten Sprache freut es mich, so etwas zu lesen. Manchmal lese ich mir – warum auch immer – in diversen Internetforen die weitaus häufigeren Hassbeiträge gegen Pädophile durch, die meist von vollständiger Dummheit und einem absoluten Widerwillen, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, bestimmt sind, was den Betreffenden dann noch dazu dienen soll, sich selbst moralisch zu überhöhen. Unter der Todesstrafe als Prävention machen sie’s dann natürlich nicht, am besten noch selbst durchgeführt, denn moralisch legitimiertes Niedermetzeln von Andersartigen, das kommt immer noch am besten, da geht dem bürgerlichen Individuum so richtig einer ab. Es ist nur widerlich.

Manchmal macht es auch Spaß. Ich weiß, dass es Leute gibt – einige davon sogar in meinem Freundes- und Bekanntenkreis –, die denken können und derartige Manöver nicht nötig haben. Dafür bin ich dankbar. Und wenn ich in der Straßenbahn sitze und mir all die Normalos um mich herum anschaue, denke ich mit einem Lächeln: wenn ihr wüsstet, dass euch ein Monster gegenüber sitzt. Und wenn mein Junge mal wieder mit einem Strahlen im Gesicht auf die Tür eben dieses Monsters zuläuft und um Einlass bittet, sich nach dem üblichen Kühlschrankplündern und Internet abchecken irgendwann neben mich setzt, mir seinen Rücken zuwendet und mich darum bittet, ihm diesen zu kraulen, weil er das schön findet, na ja, dann können sie uns alle mal.

Es gibt Leute, die mich dafür umbringen wollen.

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Gieb die Hand mir

GIEB DIE HAND MIR

Gieb die Hand mir, laß sie liegen
in der meinen, wie ein Pfand
Stirn und Wange laß mich schmiegen
an die kleine, braune Hand.

Die, von kindischem Spiel noch glühend,
kaum die nächste Stunde denkt,
Und, vor Lust und Leben sprühend,
schon ein Menschenschicksal lenkt.

(Sagitta)

Er war schon lange nicht mehr hier. Wenn ich spazieren gehe, treffe ich ihn nicht mehr, das Glück hat mich verlassen. Nur neulich, da sah ich ihn und ging auf ihn zu, und er schaute mich an und grüßte mich. Wir sprachen kurz miteinander; es war kein Gespräch unter Freunden. Das letzte Mal, als er hier war, war das noch anders – was ist passiert? Der Reiz verflogen? Das Vertrauen?

…kaum die nächste Stunde denkt…

Ich weiß es nicht, habe keinen Einfluss darauf, kann nur hoffen, dass er wieder zu mir findet. Ich bin jedenfalls immer für ihn da.

Leben am Limit

Mich persönlich ärgern weniger die kläglichen und stümperhaften Zensurversuche, sondern viel mehr die eklige, wiederliche Propaganda gegen die Päden, die diese Natzifotze von sich gibt:

Der kindermordende Perverse, der sich zum Todeskampf und den Schmerzensschreien von Kleinkindern einen runter holt.

(„Pompeius“ im JuFo)

Auch wenn Frau von der Leyen keine „Natzifotze“ ist, sondern lediglich – und schlimm genug – eine Vertreterin der Herrschaft eines bürgerlich-demokratischen Rechtsstaats1, so ist es doch genau das, was mir bei der ganzen Sache ebenfalls am meisten auf den Magen schlägt. Das Zerrbild des Pädophilen als Monster ist immer noch so bestimmend, dass alle Welt dieser Frau ihre Märchen tatsächlich glaubt2. Zerfetzte Babys, die an der Decke hängend vergewaltigt werden, unterstützt von einer „Milliardenindustrie“, das verkauft von der Leyen als die Definition von „Kinderpornografie“, als die Gefahr, vor der die harmlosen Bürger geschützt werden müssten – schließlich bestehe die Möglichkeit, „angefixt“ zu werden! –, ungeachtet der Tatsache, dass die tatsächliche öffentliche Definition von Kinderpornografie sich bereits so sehr in den Bereich des Harmlosen verschoben hat, dass beispielsweise Autor und Verlag eines schwulen Entwicklungsromans („Murats Traum“, Männerschwarm Verlag) nach Anzeige eines Lesers Opfer einer völlig irren Kriminalisierungsaktion der Justizbehörden wurden, da diese davon ausgingen, dass eine Passage des Romans, in der zwei Männer Sex vor den Augen eines 12jährigen haben, nach §184b strafbar sei. Aber auch „Posing“-Bilder oder Aktfotos werden bereits als „kinderpornografisch“ betrachtet, ganz zu schweigen von der Ausweitung der Kriminalisierung auf die sog. Jugendpornografie inkl. der absurden Konstruktion von „Scheinjugendlichkeit“. Kindheit und Jugend sind im Bereich der Erotik und Sexualität ein knallharter Straftatbestand geworden.

Darüber wollte ich aber eigentlich gar nicht schreiben. In Zeiten wie diesen ist es wichtig, sich hin und wieder auf die schönen Dinge des Lebens zu konzentrieren und all die Idioten, Heuchler, (Pseudo-)Moralisten und Spießer mal außen vor zu lassen. Wenn man wie ich das Glück hat, zu einem großen Teil in einem Umfeld zu leben, das einen einfach akzeptiert wie man ist, dann kann man auch mal innehalten und dankbar dafür sein. Zudem ist vor einigen Monaten ein Junge in mein Leben getreten, der mich als seinen Freund betrachtet. Ich weiß nicht, wie lange das noch so sein wird, wie sich unsere Freundschaft noch entwickelt und was sie überhaupt für eine Bedeutung hat – Leute wie ich tendieren dazu, sowas ganz bekloppt zu überhöhen –, und das nervt, sehr, das macht mich teilweise ganz schön fertig, aber ich weiß, dass er mir schon ebenso viele glückliche Momente beschert wie er mich Nerven gekostet hat. Ein Junge eben. Oder nein: er eben. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder, viel mehr bleibt mir nicht übrig.

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Ganz warm, kurz

Ich hasse diese kurzen Momente.

Das letzte Mal gesehen habe ich den Jungen vor drei Monaten, an einem der letzten Spätsommernachmittage, und wir spielten gemeinsam Fußball. Diese Begegnung war mir beinahe wie ein Wunder erschienen, hatte ich doch nicht mehr damit gerechnet, dass der Junge, dem seine Mutter eingeschärft hatte, nicht mit mir zu reden, das noch einmal tun würde. Ich weiß nicht, ob ich das extra dazu sagen muss, aber: es gab da keinen handfesten Grund für außer eben den, dass ich ihr Vertrauen nicht habe und sie leider auch kein Interesse daran hat, das Risiko, mir ihr Vertrauen zu geben, einzugehen. Ihn hat das an diesem Tag nicht davon abgehalten mich zum Spielen aufzufordern, und da ich verabredet war, meine Verabredung sich aber verspätete, sagte er zwischendurch sogar: „Gut, dass der nicht kommt, dann können wir noch länger zusammen spielen!“ Klar, dass mir das Herz aufging bei diesen Worten, denn ich empfinde viel für ihn. So viel, dass ich auch nach drei Monaten immer noch ständig an ihn denke. Ich weiß nicht, warum so viele Menschen das absurd finden, dass man in ein Kind verliebt sein kann, es ist einfach so.

In diesen drei Monaten gab es kein Lebenszeichen von ihm oder auch nur seiner Familie. Früher habe ich sie öfter mal zufällig gesehen, aber selbst an den wenigen schönen Tagen sah ich niemanden von ihnen draußen oder mal zufällig beim Einkaufen. Bis vor vier Tagen, da sah ich die Mutter, sie aber mich nicht, sie war im Stress, und ich traute mich auch nicht, sie anzusprechen – was sollte ich auch sagen? Einen Tag später sah ich sie erneut, von weitem, und ich fragte mich schwachsinnigerweise, ob das jetzt so eine Art Omen sei und ich ihn auch mal wiedersehen würde. Sonniges Wetter, Schnee – andere Jungen waren schließlich auch draußen. Ich sollte Recht behalten.

Ein Spaziergang im Park, eine Stelle zum Schlittenfahren, zwei Familien sind dort, ich kenne sie nicht, will sie nicht kennenlernen, gehe vorbei. Plötzlich schnelle Schritte hinter mir, ich drehe mich um: da strahlt er mich an, mir wird kurz schwindelig, dann fange ich mich wieder und lächele zurück. Er fragt, ob ich ihn noch kenne. Ja, klar. Wie es ihm gehe, frage ich: gut. Er fährt hier Schlitten. Ich begleite ihn zurück zu der Schlittenfahrstelle, frage ihn, ob er alleine da ist (auf der Goldwaage hinterher kommt das gar nicht gut), ja, ist er, und warum man ihn nur noch so selten draußen sieht, er zuckt mit den Schultern, und ich habe den Verdacht, dass er nicht mehr so oft in die Nähe meiner Wohnung kommen soll, vielleicht hat seine Mutter mitbekommen, dass er mit mir gespielt hat und das Verbot verschärft; aber warum mache ich mir solche schmerzhaften Gedanken, vielleicht war es auch nur das Wetter oder Zufall, ich habe hier den schönsten Jungen der Welt vor mir und so frage ich ihn, als er erzählt, dass er in den Ferien weg war, wie es dort gewesen sei, er sagt kurz was dazu, aber er hat jetzt wieder mehr Lust aufs Schlittenfahren, macht sich startklar, sagt tschüss, vielleicht ist ihm auch wieder eingefallen, dass er nicht mit mir reden soll – wieder dieser schmerzhafte Gedanke –, und ich sage auch tschüss, und dann rauscht er davon. Ich schaue ihm noch nach, neben mir zwei Mütter, die mich neugierig taxieren, dann drehe ich mich um und gehe, und mir wird ganz warm, kurz.

Ich hasse sie trotzdem, diese Momente.

Tanz auf dem Abgrund. Kleine Dichterei über ein Leben in Ketten

Neulich habe ich geträumt. Ich träume oft, meistens ist es wirres Zeug, z.B. ging es einmal darum, dass ich auf einer Autobahn mit der Familie der großen unglücklichen Liebe meiner Jugend (ein Nachbarjunge, Achtung, Klischee) viel zu schnell fuhr bzw. nicht ich fuhr, sondern ich saß hinten drin und hatte Angst, denn es wurde immer schneller, und irgendwann stürzten wir ab. Dann war ich plötzlich auf einem Rasthof und suchte die Toilette, fand aber nur groteske Gebilde, in die man unmöglich hinein urinieren konnte, und am Ende war ich weiblich und in einem dornenumrankten Park voller bösartiger Esoteriker, deren Welt ich retten sollte. Von ihrem Singsang hatte ich noch eine Stunde nach dem Aufwachen einen Ohrwurm.

Aber ich träume auch von Jungen. Jungen, mit denen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte, die ich geliebt habe, die ich immer noch liebe. Es passiert, dass ich unvermittelt an einen von ihnen denke und mich dann stundenlang gräme darüber, was ich nur falsch gemacht habe, dass ich jetzt einsam bin. Mir kam mal der Gedanke, dass ich wohl nicht egoistisch, nicht zielstrebig genug gewesen bin, mir zu wenig vertraut habe, und nicht nur mir, sondern auch der Güte der Freundschaft, die ich anstrebte. Ein Freund hat mir ähnliches schon vor Monaten gesagt, aber ich hatte es nicht umsetzen können. Vielleicht hätte ich – mit dem Vertrauen, mit dem Mut – die Widerstände überwinden können, die sich mir entgegen gestellt hatten. Vielleicht wären sie aber auch fester geworden und hätten sich brutal gegen mich gerichtet – ich weiß es nicht.

Nun ist eben die Einsamkeit da, und ich frage mich immer, wieso sie bei anderen, bei einigen meiner Freunde etwa, nicht so fest ist, oder ob die das nicht brauchen, das, was im Allgemeinen „Liebe“ genannt wird? Und wieso ich darüber eigentlich so traurig werde, da ich doch andere Dinge habe, die schön sind, Kultur, freundschaftliche soziale Kontakte mit Erwachsenen, meine Kreativität und nicht zuletzt die notwendigen Arbeitsaufgaben, die meine Zeit ausreichend in Anspruch nehmen sollten.

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