Politisches

Selbstimmunisierung

Es kann nicht sein, was nicht sein darf – in Sachen „Kinderschutz“ gilt diese Formel immer noch. Anhand der Rezeption eines Erfahrungsberichts über sexuelle Kindheitserfahrungen mit Männern in der Zeitung „Die Welt“ zeigt sich das ganze Elend der hermetischen Abriegelung des eigenen Denkens gegenüber verpönten Ansichten: Plötzlich zählt auch für sog. Kinderschützer nicht mehr die eigene und richtige Forderung danach, dem Kind immer zu glauben. Denn der Junge (bzw. der heutige Mann) wird aufgrund seiner Erfahrungen im Vorhinein als unglaubwürdig, geisteskrank, böse definiert. Zur genauen Analyse hier klicken

Die Angst vor sich selbst?

Auf taz.de ist ein Artikel über einen Pädophilen erschienen, der Angst vor sich selbst hat: „Eigentlich schließt Tobias aus, dass er auf ein Kind losgeht. (sic!) Doch wird er sich immer unter Kontrolle haben?“ Dabei suggeriert der Artikel, dass das ein typisches Pädophilenproblem sei. Das ist es natürlich nicht – dieser Quatsch kommt in allen Sexualitäten vor, sobald man für sich bewusst entschieden hat, dem eigenen Verstand nicht mehr zu trauen – aus mangelndem Selbstvertrauen oder Ideologie heraus. Zwei gute Kommentare dazu dokumentiere ich hier, damit sie bei evtl. Löschung nicht verloren gehen:

So sind sie also?

In dem Kinofilm „Michael“ geht es um einen Mann, der einen Jungen im Keller gefangen hält und ihm Gewalt antut, sich auch sexuell an ihm vergeht. In vielen Medienberichten wird der Anschein erweckt, dies sei normal für einen pädophilen Mann.

Das ist es nicht.

Auf queer.de wird über den Film diskutiert. Ich möchte einen Beitrag davon auszugsweise hier dokumentieren. Er spricht für sich:

„So sind sie also, diese widerlichen Pädophilen, ja?!“

Gute Frage…

(Weiterlesen…)

Pädophilenbefragung (Studie)

Auf eine interessante wissenschaftliche Umfrage/Studie zum Thema „Pädophile Identität“ wird hier hingewiesen (inkl. Link zu den sehr differenzierten Umfrageergebnissen).

Martin N.

Der aktuell in den Medien viel diskutierte Fall des pädophilen Serienmörders Martin N. macht wütend, traurig und sprachlos: über die Grausamkeit des Täters und seine Taten ebenso wie über die Infamie der Medien, die einmal mehr einen Einzelfall dafür nutzen, zur Jagd auf Pädophile zu blasen. Die Admins des Päderastenforums jungsforum.net haben dazu eine lesenswerte Stellungnahme veröffentlicht.

Dietrich W. und die hässliche taz

Seitdem bekannt geworden ist, dass es nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in der linken Bewegung sexuellen Kindesmissbrauch gegeben hat und dessen Fürsprecher sogar eine Zeit lang die linke „tageszeitung“ für ihre Zwecke nutzen konnten, arbeitet eben jene Zeitung – heute eine Art Zentralorgan der grünen Partei und genau wie sie sehr bürgerlich geworden – mit Artikeln ihre Vergangenheit auf. Dabei kommt es mitunter zu interessante Diskussionen auf dem Blog der Redaktion – jedenfalls solange wie diese nicht sinnloserweise von der Moderation abgebrochen werden. Deutlich wird dabei, dass eine sachliche Diskussion über das Thema in einem gewissen Rahmen möglich, aber in den bürgerlichen Medien nicht erwünscht ist.

Aktuell arbeitet sich die taz unter der Überschrift „Die hässliche Seite des netten Didi“ am Fall „Dietrich W.“ ab (auch im Hausblog der taz – mit anderen Kommentaren). Dieser war Mitgründer der Zeitung, Lehrer an der Odenwaldschule und laut taz bei Kollegen und Schülern sehr beliebt. Wie also sieht sie aus, diese „hässliche Seite“? So:

Erst necken sich die Schüler und der junge Mann nur. Dann beginnen sie zu raufen. Am liebsten balgt sich Dietrich W. mit Jörg (Name geändert). Der gespielte Kampf geht in Umarmungen und Berührungen über, die an die eines Liebespaars erinnern. W. fährt dem Jungen immer wieder zwischen die Beine, sie umschlingen sich. Irgendwann liegen sich die beiden erschöpft in den Armen.

Die Frau, die heute von dieser Szene erzählt, war vor vierzig Jahren selbst Schülerin der Odenwaldschule Ober-Hambach, jenes hessischen Landerziehungsheims, das lange als Modellschule für alternatives Lernen galt. Dietrich W. war auch ihr Lehrer.

Didi, wie ihn seine Schüler nannten, mochte die Jungen. Und die Jungen ihn. „Didi war immer von Knaben umgeben“, sagt die ehemalige Schülerin.

Spielerisches, sexuell aufgeladenes Raufen, beiderseits erwünschte Kontakte zwischen dem Mann und den Jungen. Besonders hässlich erscheint diese Beschreibung nicht. Mal sehen, was da noch kommt:

(Weiterlesen…)

Mark Norlik: Kein Pardon für solche Liebe

Auf itp-arcados.net sind Inhaltsverzeichnis und Einführungskapitel eines Buches erschienen, das möglicherweise das Zeug dazu hat, ein neues Standardwerk zum Thema Pädophilie zu werden: Mark Norlik: Kein Pardon für solche Liebe.

Das Wort zum Fest: Tragik, Liebe, Familienhölle

Liebe Leute,

kurz vor Weihnachten fuhr ich durch die Straßen meiner Heimatstadt. Es war der letzte Schultag, und an den Bushaltestellen rund um das Gymnasium drängten sich die Sextaner und bewarfen sich und andere mit Schneebällen.

Ich war in diesem Moment sehr traurig. Das bin ich oft, wenn ich Kinder sehe. Hinterher habe ich mich gefragt, warum, und ich bin darauf gekommen, dass mir in diesen Momenten die besondere Tragik des Pädophilen-Daseins ins Herz kriecht: unter Kindern, mit Kindern, ein Teil der Kinder sein zu wollen und dennoch da völlig fehl am Platze zu sein. Denn als Erwachsener bin ich kein Kind mehr und soll mich altersgemäß verhalten, soll altersgemäß empfinden, soll den Kindern also sagen, dass sie das sein lassen sollen mit den Schneebällen, sie könnten andere damit verletzen. Das kann ich nicht, oder: Ich kann es nicht, ohne dass dabei in mir etwas droht zu Bruch zu gehen. Von mir wird verlangt, dass ich mich verbiege. Aber was ist, wenn man sich nicht weiter verbiegen kann?

Das sind keine neuen Überlegungen. Sie sind vermutlich nicht einmal sonderlich originell. Denn verbiegen muss sich in diesen Verhältnissen doch jeder, ob pädophil oder nicht, und manche, die in ihrem Begehren und Verhalten der Normalität entsprechen, merken es nicht einmal, machen das Verbiegen zu ihrer ganz persönlichen Sache, suchen das Glück im Normalen und finden doch nur Gewalt, Ohnmacht, Verzweiflung. Man sieht es immer wieder an sog. Familiendramen, an Eifersucht, an Psychoterror, an Ehe- und Beziehungskriegen. Wie kommt das? Wie kommt es dazu, dass das Streben nach Glück im Privaten auch oder gerade für die Normalos zu allem möglichen führt, aber eben in den seltensten Fällen tatsächlich zum Glück?

Das liegt an der Art des gesuchten Glücks: Glück ist da nämlich immer eine idealistische Vorstellung von der totalen Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse als Kompensation für die Zumutungen der kapitalistischen Arbeitswelt: All das, was in der Arbeitswelt entbehrt werden muss, weil man immer für fremde Zwecke (der Geldvermehrung), nie für den eigenen Ertrag (der Bedürfnisbefriedigung) sich den Buckel krumm schuftet, soll (!) in der Privatsphäre durch Liebes- und Familienglück ausgeglichen werden. Die klassische romantische Zweierbeziehung ist eine Art gegenseitiger Besitzanspruch an der jeweils anderen (kompletten) Person mit dem Ziel der Kompensation für durch den Kapitalismus erlittene Schäden. Und wenn diese misslingt, was bei einem solchen Ideal nur allzu wahrscheinlich ist, kommt es leicht zu Gewalt in physischer wie psychischer Form, zu Familiendrama, Eifersucht, Mord und Selbstmord.

Pädophile können froh sein, damit nicht so viel zu tun haben. Ihre Probleme sind andere, vielleicht teilweise sogar: weniger harte. Die Suche nach einer Nische zur verhältnismäßig zufriedenen Existenz ist durch die gesellschaftliche Akzeptanz des Single-Daseins einfacher geworden. Einigen gelingt es sogar sich Räume zum Umgang mit Kindern zu schaffen, die sie ansatzweise glücklich machen. Erwachsene, mit allem, was an Erwartungen von Seiten der Gesellschaft dazugehört, sind sie trotzdem, was u.a. zu der eingangs beschriebenen Tragik führt, die ich nach wie vor – und gerade in der Weihnachtszeit – dann doch als recht belastend empfinde. Denn wie ich sie für mich in einem befriedigenden Maße auflösen kann, ist mir noch nicht einsichtig geworden.

Wichtig dabei ist mir, dass ich mir selbst die gesellschaftliche Normalität von Ehe und Familie erklären kann und also sehe, dass dort bei weitem nicht alles Gold ist, was glänzt – ganz im Gegenteil. Mein Lebensentwurf, so jämmerlich er unter diesen Verhältnissen auch erscheinen mag, hat mit dieser Art von Wahnsinn jedenfalls unmittelbar wenig zu tun. Eine solche Erklärung der Verhältnisse hilft mir zwar auch nicht, mein Leben angenehmer zu gestalten, aber das ist ja auch nicht ihr Sinn und Zweck.

Wen der Zusammenhang von Gesellschaft, Familie, Glück und Gewalt ebenfalls interessiert, dem empfehle ich das aufmerksame Anhören des Vortrags „Anlässlich des alljährlichen Fests der Liebe: Die gesellschaftliche Institution Familie – Ort des Glücks, des Psychoterrors und des Amoklaufs“ von Dr. Peter Decker auf der Seite http://doku.argudiss.de.

Und als herzerwärmendes Schmankerl zwischendurch: meine Weihnachtsgeschichte „Im Herzen“.

Trotz alledem
ein frohes Fest.

Paedogeddon!

These fairly simple plays on words were opaque enough that none of the guest celebrities understood that they were being lampooned until the show was aired, in spite of what often seems to the viewer like plainly absurd subject matter. The Capital Radio DJ Neil „Doctor“ Fox, for example, informed viewers that „paedophiles have more genes in common with crabs than they do with you and me“, before qualifying his remarks with „Now that is scientific fact — there’s no real evidence for it — but it is scientific fact“.

(wikipedia on „Brass Eye – Paedophilia Special“, one of the best parody-shows ever made)

Skan­dal: Jede Menge Kindesmissbrauch in Schu­le, In­ter­nat, Kir­che!

Jeder ver­ur­teilt diese Taten von Er­zie­hern und Kir­chen­män­nern. Jeder schei­det aber auch fein säu­ber­lich zwi­schen den guten edlen Auf­ga­ben von Päd­ago­gen und re­li­giö­sen Hir­ten und deren ver­dam­mens­wür­di­gen Über­grif­fen auf die ihnen an­ver­trau­ten Kin­der. Als ob es die Er­zie­hungs­ge­walt, die diese Herr­schaf­ten ver­lie­hen be­kom­men und aus­üben und dann in schlim­mer Weise über­schrei­ten, nicht so­wie­so ganz schön in sich hätte. Kin­dern etwas Nütz­li­ches bei­brin­gen – lesen, schrei­ben, rech­nen (beim Kir­chen­mann fällt einem schon gleich nichts Ver­gleich­ba­res ein!) – ist eine Sache. Sie, ihren Geist und ihren Wil­len, so zu for­men und zu trie­zen, dass/bis sie genau die Re­geln des mo­ra­li­schen An­stands und deren re­li­giö­se Über­hö­hung be­ach­ten ler­nen, die nur für das Leben in einer staat­lich ver­wal­te­ten Kon­kur­renz­ge­sell­schaft nütz­lich und un­ent­behr­lich sind, das ist ein Über­griff auf die Kin­der, der sich ge­wa­schen hat. Der aber geht in Ord­nung, ist ge­sell­schaft­lich er­wünscht.
Der an­de­re nicht.

Das Blog „Von Marx lernen“ hat einen Kommentar zu den aktuellen Enthüllungen rund um Kindesmissbrauch an (vor allem) katholischen Institutionen veröffentlicht (und mittlerweile wieder gelöscht – zu finden ist er noch bei Neoprene). Dessen erster Teil – oben zitiert – trifft etwas: denn es ist doch merkwürdig, dass es den „Missbrauch“ von Kindern (als negativen Gegensatz zum „Gebrauch“) nur in sexueller Hinsicht gibt; jeder andere Gebrauch von Kindern als Verfügungsmasse für Staat und Kapital ist in Ordnung. So wird Kindern in der Schule beispielsweise beigebracht, dass sie zu jedweder sexuellen Aktivität mit Älteren immer „NEIN“ sagen sollen, weil die Erwachsenen annehmen, dass „Nein sagen“ und „Selbstbestimmung“ für ein Kind auf dem Gebiet der Sexualität in eins fallen – selbstbestimmt „JA“ sagen ist verboten. Umgekehrt ist auf dem Gebiet der schulischen Bildung das „NEIN“ sagen verboten, will das Kind nicht auf lange Sicht als Schulverweigerer stigmatisiert und in eine Sonderinstitution abgeschoben werden. Es zeigt sich: wenn Erwachsene von kindlicher Selbstbestimmung reden, meinen sie immer ihre Vorstellung davon: Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen ist für sie immer Gewalt, und alternative Lern- und Lebenswege von Kindern sind für sie immer Schulversagen.

(Weiterlesen…)